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== Kommunalpolitik ==
== Kommunalpolitik ==
Bei der [[Kommunalwahl 2023]] wurde die SPD in Flensburg mit 13,5 % nur viertstärkste Kraft hinter SSW, Grünen und CDU. Sie verlor 4,7 % gegenüber der [[Kommunalwahl 2018]].<ref>[https://wahlen.flensburg.de/Flensburg/kw/ https://wahlen.flensburg.de/ Kommunalwahl 2023]</ref>
Bei der [[Kommunalwahl 2023]] wurde die SPD in Flensburg mit 13,5 % nur viertstärkste Kraft hinter SSW, Grünen und CDU. Sie verlor 4,7 % gegenüber der [[Kommunalwahl 2018]].<ref>Stadt Flensburg: [https://wahlen.flensburg.de/Flensburg/kw/ Kommunalwahl 14. Mai 2023 - Amtliches Endergebnis]</ref>


Im Februar [[2021]] übernahm der 23-jährige [[Justus Klebe]] den Fraktionsvorsitz vom 67-Jährigen [[Helmut Trost]], der seit [[1984]] haupt- und ehrenamtlich in der Kommunalpolitik und -verwaltung tätig und seit [[2008]] Vorsitzender der Ratsfraktion war.<ref>SPD Flensburg: ''[https://www.spd-flensburg.de/2021/03/09/neues-team-an-der-spitze-der-spd-ratsfraktion-justus-klebe-ist-neuer-vorsitzender-der-staffelstab-ist-uebergeben-die-spd-fraktion-startet-durch/ Neues Team an der Spitze der SPD-Ratsfraktion: Justus Klebe ist neuer Vorsitzender. „Der Staffelstab ist übergeben, die SPD-Fraktion startet durch!“]'', Homepage, 9.3.2021</ref> Weiter bilden [[Birgit Jaspersen]] als Stellvertreterin, [[Lars Christiansen]], [[Nils Düster]], [[Lisa Hellwig]] und [[Florian Matz]] sowie 24 bürgerschaftliche Mitglieder die Fraktion.<ref>Stadt Flensburg: [https://ratsinfo.flensburg.de/fraktionen/?__=UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZUH5FIfklmbpy2mOeJKVhLI Ratsinfo - Sozialdemokratische Partei Deutschlands]'', abgerufen 9.4.2025</ref>
Im Februar [[2021]] übernahm der 23-jährige [[Justus Klebe]] den Fraktionsvorsitz vom 67-Jährigen [[Helmut Trost]], der seit [[1984]] haupt- und ehrenamtlich in der Kommunalpolitik und -verwaltung tätig und seit [[2008]] Vorsitzender der Ratsfraktion war.<ref>SPD Flensburg: ''[https://www.spd-flensburg.de/2021/03/09/neues-team-an-der-spitze-der-spd-ratsfraktion-justus-klebe-ist-neuer-vorsitzender-der-staffelstab-ist-uebergeben-die-spd-fraktion-startet-durch/ Neues Team an der Spitze der SPD-Ratsfraktion: Justus Klebe ist neuer Vorsitzender. „Der Staffelstab ist übergeben, die SPD-Fraktion startet durch!“]'', Homepage, 9.3.2021</ref> Weiter bilden [[Birgit Jaspersen]] als Stellvertreterin, [[Lars Christiansen]], [[Nils Düster]], [[Lisa Hellwig]] und [[Florian Matz]] sowie 24 bürgerschaftliche Mitglieder die Fraktion.<ref>Stadt Flensburg: [https://ratsinfo.flensburg.de/fraktionen/?__=UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZUH5FIfklmbpy2mOeJKVhLI Ratsinfo - Sozialdemokratische Partei Deutschlands]'', abgerufen 9.4.2025</ref>
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In der [[Kommunalwahl 1970]] errang die SPD mit 17 Sitzen (gegenüber CDU 14 und SSW 8) zum ersten Mal die Mehrheit in der Ratsversammlung und konnte mit [[Artur Thomsen]] erstmals den Stadtpräsidenten stellen.<ref>''Kieler Nachrichten'', 15.5.1970</ref>
In der [[Kommunalwahl 1970]] errang die SPD mit 17 Sitzen (gegenüber CDU 14 und SSW 8) zum ersten Mal die Mehrheit in der Ratsversammlung und konnte mit [[Artur Thomsen]] erstmals den Stadtpräsidenten stellen.<ref>''Kieler Nachrichten'', 15.5.1970</ref>


Erstmals konnten im März [[1910]] zwei Sozialdemokraten in die Stadtverordnetenversammlung einziehen.<ref>[https://resolver.sub.uni-hamburg.de/kitodo/PPN1754726119_19100810/page/6 Hamburger Echo 10.8.1910, S. 6]</ref>
Erstmals konnten im März [[1910]] zwei Sozialdemokraten in die Stadtverordnetenversammlung einziehen.<ref>''[https://resolver.sub.uni-hamburg.de/kitodo/PPN1754726119_19100810/page/6 Hamburger Echo]'', 10.8.1910, S. 6</ref>


=== Bürgermeisteramt ===
=== Bürgermeisteramt ===
In der Oberbürgermeisterwahl [[2016]] gelang es der SPD, ein Wahlbündnis mit CDU und Grünen zu schmieden und die Landtagsabgeordnete [[Simone Lange]] ins Rennen gegen den Amtsinhaber vom SSW zu schicken. Bereits im ersten Wahlgang konnte sie sich mit 51,4 Prozent der Stimmen durchsetzen. Die SPD stellte zum ersten Mal seit [[1999]] wieder die Oberbürgermeisterin. Die Wiederwahl blieb ihr [[2022]] jedoch versagt, das Wahlbündnis hatte sich aufgelöst.
In der Oberbürgermeisterwahl [[2016]] gelang es der SPD, ein Wahlbündnis mit CDU und Grünen zu schmieden und die Landtagsabgeordnete [[Simone Lange]] ins Rennen gegen den Amtsinhaber vom SSW zu schicken. Bereits im ersten Wahlgang konnte sie sich mit 51,4 % der Stimmen durchsetzen. Die SPD stellte zum ersten Mal seit [[1999]] wieder die Oberbürgermeisterin. Die Wiederwahl blieb ihr [[2022]] jedoch versagt, das Wahlbündnis hatte sich aufgelöst.


[[2004]] führte [[Helmut Trost]] nach dem plötzlichen Tod des CDU-Oberbürgermeisters die Geschäfte. In der Wahl konnte er sich aber nicht gegen den Kandidaten der CDU durchsetzen.
[[2004]] führte [[Helmut Trost]] nach dem plötzlichen Tod des CDU-Oberbürgermeisters die Geschäfte. In der Wahl konnte er sich aber nicht gegen den Kandidaten der CDU durchsetzen.


==Geschichte==
==Geschichte==
Am [[26. Mai]] [[1872]] wurde eine Versammlung der [[Lassalleaner]] in Flensburg überraschend aufgelöst. Die Sozialisten gingen in eine Versammlung der Dänen, um dort reden zu dürfen. Als der Hamburger [[Heinrich Christian Radenhausen]] zum Reden ansetzte, sollte auch diese Versammlung aufgelöst werden.  
Um den [[1925]] verstorbenen [[Friedrich Ebert]], den in der Arbeiterschaft populären "Sohn des Volkes", entwickelte sich postum ein regelrechter Kult. In Flensburg tauchte nach dem Ende der NS-Herrschaft unter anderem ein Relief wieder auf, das auf Initiative der SPD und des [[Arbeitskreis der ehemals verfolgten und inhaftierten Sozialdemokraten (AvS)|AvS]] zum 100. Todestag des Reichspräsidenten am [[28. Februar]] [[2025]] im Flensburger Kreisbüro einen würdigen Platz erhielt.<ref name=":0">''Versteckte Gedenktafel überstand die Nazizeit'', ''vorwärts - WIR in Schleswig-Holstein'' 2/2025, Seite IV</ref>
<blockquote>"Als er [der Oberpolizeidiener Lafranz] obendrein einen Hochrufer auf [[Wilhelm Hasenclever|Hasenclever]] verhaften wollte, rissen ihn erregte Leute nieder und mißhandelten ihn. Es kam zu einem Tumult und einem lauten Umzug durch die Straßen. Darauf wurde Militär eingesetzt und viele Verhaftungen vorgenommen. Vier Arbeiter erhielten wegen Aufruhr 6 Monate Gefängnis, Bach 14 Tage und Schulz 3 Wochen Haft."<ref>{{Osterroth-100-Jahre}}, Seite 14</ref></blockquote>  
 
===Neugründung und "Auflösung"===
Das bemerkenswerteste Ereignis in der langen Geschichte der Flensburger SPD dürfte gewesen sein, dass der Parteivorsitzende [[Kurt Schumacher]] in einer öffentlichen Rede in [[Ortsverein Husum|Husum]] am [[7. Juli]] [[1946]] die Anordnung ihrer Auflösung verkündete. Grund waren unvereinbare Positionen in der Frage der Grenze mit Dänemark; es gab in der Flensburger SPD Bestrebungen, den Anschluss der Stadt nach Dänemark zu suchen, während die Parteiführung und auch große Teile der Landespartei sie als zu Deutschland gehörige Stadt sahen. 
 
Am [[19. Juni]] [[1946]] hatte der [[Landesvorstand|Bezirksvorstand]] beschlossen, an der Grenzziehung zu Dänemark als Ergebnis des Volksentscheids von [[1920]] festzuhalten. Als der Kreisverein Flensburg seine Aktivitäten aber nicht einstellte, reagierte [[Kurt Schumacher]] - soweit man weiß, ohne Vorinformation der Betroffenen, möglicherweise auch in Überschreitung seiner Befugnisse. In seiner Husumer Rede begründete er seine drastische Maßnahme:
<blockquote>"Wir wollen ein neues Deutschland, nicht einen neuen Nationalismus, sondern einen gleichgeachteten und gleichberechtigten Bestandteil der Vereinigten Staaten von Europa, dann soll in diesem neuen Deutschland auch Südschleswig dabei sein."<ref>Zitiert nach: {{Osterroth-100-Jahre|Seite=124}}</ref></blockquote>
 
Der Kreisverein, der erst am [[4. Januar]] [[1946]] die Genehmigung der Militärregierung erhalten hatte, sich neu zu gründen<ref>{{Martens-45-59}}, S. 79</ref>, löste sich nicht auf. [[Nicolaus Reiser]] blieb Vorsitzender der Ausgeschlossenen, die als [[Sozialdemokratische Partei Flensburgs (SPF)]] unabhängig von der Mutterpartei weiterarbeiteten, bis sich die beiden Teile auf dem [[Bezirksparteitag 1954, Kiel|Bezirksparteitag 1954]] wiedervereinigten. 


[[1874]] gab es neben der örtlichen [[ADAV]]-Gemeinde auch einen Arbeiter-Wahlverein.<ref>Vgl. bspw. Neuer Social-Demokrat 19.4.1874</ref> Vermutlich war dieser identisch mit dem vier Jahre später verbotenen Volksverein.  
Die SPD gründete einen neuen Kreisverein, dessen Vorsitz [[Hans Riethmüller]] übernahm. Mitglieder waren zunächst ca. 20 Einheimische und ca. 150 Heimatvertriebene.<ref>Christiansen: ''Meine Geschichte'', S. ?</ref> Damit gab es in den Jahren [[1946]] bis [[1954]] parallel zwei SPDen und zwei Vorsitzende. Der - deutlich kleinere - neue Kreisverein arbeitete ebenfalls bis zur Wiederaufnahme der Ausgeschlossenen, erlangte jedoch in Flensburg keine große Bedeutung.  


1875 wurden die Genossen Th. Leiding und H. P. Specht zu „Agenten des Vorstands“ der [[SAPD]] ernannt.<ref>Der Volksstaat 16.8.1875</ref>
Bei einer gemeinsamen Kundgebung in Flensburg am [[9. März]] [[1953]] mit dem Nachfolger des verstorbenen [[Kurt Schumacher]], [[Erich Ollenhauer]], erklärte der Vorsitzende der dänischen Sozialdemokraten, [[Hans Hedtoft]], dass eine erneute Verschiebung der [[1920]] festgelegten Grenze in Dänemark kein ernsthaftes Thema sei. Dadurch öffnete sich eine Tür für die Wiederannäherung von SPD und [[Sozialdemokratische Partei Flensburgs (SPF)|SPF]].<ref>{{Osterroth-100-Jahre|Seite=136}}</ref> Auf dem [[Bezirksparteitag 1954, Kiel|Bezirksparteitag im Juli 1954]] vereinigte sich die SPF endgültig wieder mit der schleswig-holsteinischen SPD. Eine ganze Reihe ihrer Mitglieder wechselte jedoch in den SSW oder trat der SPD nicht wieder bei.


Bis zum [[Sozialistengesetz]] gab es in Flensburg einen sozialdemokratischen [[Volksverein]], einen [[Arbeitergesangverein|Arbeiter-Sängerbund]] und einen [[Arbeiterbildungsverein|Bildungsverein für Arbeiter]].<ref>''Harburger Anzeigen und Nachrichten'', 28.10.1878, S. 1</ref> Bereits [[1874]] reichsweit aufgelöst hatte sich der, auch in Flensburg bestehende, [[Allgemeiner Arbeiterschaftsverband|Allgemeine Arbeiter-Unterstützungsverband]].<ref>Siehe u.a. Neuer Social-Demokrat 15.3.1874</ref>
Während [[Hans Riethmüller]] sein Amt vermutlich [[1954]] abgab, blieb [[Nicolaus Reiser]] noch bis [[1956]] Vorsitzender der wieder geschlossenen Flensburger SPD. Der Kreisverein ernannte ihn später zum Ehrenvorsitzenden.


[[Datei:Wilhelm Haberlandt Flensburg.png|thumb|right|180px|Wilhelm Haberlandt]]Der bisher früheste namentlich ermittelte Vorsitzende war [[Wilhelm Haberlandt]] (* [[25. Dezember]] [[1878]], † [[1941]]).<ref>{{Martens-45-59}}, S. 551</ref> Er stand von [[1905]] bis zum Verbot [[1933]] an der Spitze der Flensburger SPD, war Fraktionsvorsitzender in der Stadtverordnetenvertretung und Stadtrat, bis [[1933]] Abgeordneter des [[Provinziallandtagswahlen 1919-1933|Provinziallandtages]] und gleichzeitig Parteisekretär im 1. Unterbezirk Flensburg-Schleswig-Husum-Tondern.<ref>Schartl, Matthias: ''[https://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_08/Demokratische_Geschichte_Band_08_Essay06.pdf Landräte und Kapp-Putsch 1920 im nördlichen Schleswig-Holstein]'', S. 202</ref>
=== Weimarer Republik ===
[[1927]] wurde in Flensburg eine Straße nach [[Friedrich Ebert]] benannt. Am [[11. April]] [[1933]] - gegen die Stimmen der SPD - für die nächsten 12 Jahre in "Horst-Wessel-Straße" umbenannt, erhielt sie nach dem Ende der NS-Herrschaft ihren republikanischen Namen zurück.<ref name=":0" />


Der [[Kapp-Putsch]] vom März [[1920]] wurde in der Grenzregion durch den laufenden Abstimmungskampf und den nationalen Gegensatz zwischen deutsch und dänisch Gesinnten zusätzlich belastet. Die Stadtspitze bildeten zu dieser Zeit nach Anordnung der Internationalen Kommission, der Flensburg während der Abstimmungszeit unterstand,
Der [[Kapp-Putsch]] vom März [[1920]] wurde in der Grenzregion durch den laufenden Abstimmungskampf und den nationalen Gegensatz zwischen deutsch und dänisch Gesinnten zusätzlich belastet. Die Stadtspitze bildeten zu dieser Zeit nach Anordnung der Internationalen Kommission, der Flensburg während der Abstimmungszeit unterstand,
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Dies geschah nicht. Dänisch gesinnte Kreise versuchten mit dem Hinweis, dass in Deutschland in Zukunft keine demokratischen Verhältnisse mehr zu erwarten seien, Stimmen für den Anschluss an Dänemark zu gewinnen; der bürgerliche "Deutsche Ausschuss" hingegen begrüßte den Putsch ganz offen. Die SPD beendete die bisherige Zusammenarbeit mit dem "Deutschen Ausschuss"; ihre Stadtvertreter [[Wilhelm Haberlandt]], [[Ernst Erfurth]] und [[Ferdinand Grabein]] versuchten später, eine Bestrafung von Unterstützern des Putsches in Flensburg zu erreichen, konnten sich jedoch aufgrund der Machtverhältnisse nicht durchsetzen.<ref>Schartl, Matthias: ''[https://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_08/Demokratische_Geschichte_Band_08_Essay06.pdf Landräte und Kapp-Putsch 1920 im nördlichen Schleswig-Holstein]'', S. 199 ff.</ref>
Dies geschah nicht. Dänisch gesinnte Kreise versuchten mit dem Hinweis, dass in Deutschland in Zukunft keine demokratischen Verhältnisse mehr zu erwarten seien, Stimmen für den Anschluss an Dänemark zu gewinnen; der bürgerliche "Deutsche Ausschuss" hingegen begrüßte den Putsch ganz offen. Die SPD beendete die bisherige Zusammenarbeit mit dem "Deutschen Ausschuss"; ihre Stadtvertreter [[Wilhelm Haberlandt]], [[Ernst Erfurth]] und [[Ferdinand Grabein]] versuchten später, eine Bestrafung von Unterstützern des Putsches in Flensburg zu erreichen, konnten sich jedoch aufgrund der Machtverhältnisse nicht durchsetzen.<ref>Schartl, Matthias: ''[https://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_08/Demokratische_Geschichte_Band_08_Essay06.pdf Landräte und Kapp-Putsch 1920 im nördlichen Schleswig-Holstein]'', S. 199 ff.</ref>


===Die Auflösung===
=== Kaiserreich ===
Das bemerkenswerteste Ereignis in der langen Geschichte der Flensburger SPD dürfte die Anordnung ihrer Auflösung gewesen sein, die der Parteivorsitzende [[Kurt Schumacher]] in einer öffentlichen Rede in [[Ortsverein Husum|Husum]] am [[7. Juli]] [[1946]] verkündete. Grund waren unvereinbare Positionen in der Frage der Grenze mit Dänemark; es gab in der Flensburger SPD Bestrebungen, den Anschluss der Stadt nach Dänemark zu suchen, während die Parteiführung und auch große Teile der Landespartei sie als zu Deutschland gehörige Stadt sahen.
[[Datei:Wilhelm Haberlandt Flensburg.png|thumb|right|180px|Wilhelm Haberlandt]]Der bisher früheste namentlich ermittelte Vorsitzende war [[Wilhelm Haberlandt]] (* [[25. Dezember]] [[1878]], † [[1941]]).<ref>{{Martens-45-59}}, S. 551</ref> Er stand von [[1905]] bis zum Verbot [[1933]] an der Spitze der Flensburger SPD, war Fraktionsvorsitzender in der Stadtverordnetenvertretung und Stadtrat, bis [[1933]] Abgeordneter des [[Provinziallandtagswahlen 1919-1933|Provinziallandtages]] und gleichzeitig Parteisekretär im 1. Unterbezirk Flensburg-Schleswig-Husum-Tondern.<ref>Schartl, Matthias: ''[https://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_08/Demokratische_Geschichte_Band_08_Essay06.pdf Landräte und Kapp-Putsch 1920 im nördlichen Schleswig-Holstein]'', S. 202</ref>


Am [[19. Juni]] [[1946]] hatte der [[Landesvorstand|Bezirksvorstand]] beschlossen, an der Grenzziehung zu Dänemark als Ergebnis des Volksentscheids von [[1920]] festzuhalten. Als der Kreisverein Flensburg seine Aktivitäten aber nicht einstellte, reagierte [[Kurt Schumacher]] - soweit man weiß, ohne Vorinformation, möglicherweise auch in Überschreitung seiner Befugnisse. In seiner Husumer Rede machte er klar: <blockquote>"Wir wollen ein neues Deutschland, nicht einen neuen Nationalismus, sondern einen gleichgeachteten und gleichberechtigten Bestandteil der Vereinigten Staaten von Europa, dann soll in diesem neuen Deutschland auch Südschleswig dabei sein."<ref>Zitiert nach: {{Osterroth-100-Jahre|Seite=124}}</ref></blockquote>
Bis zum [[Sozialistengesetz]] gab es in Flensburg einen sozialdemokratischen [[Volksverein]], einen [[Arbeitergesangverein|Arbeiter-Sängerbund]] und einen [[Arbeiterbildungsverein|Bildungsverein für Arbeiter]].<ref>''Harburger Anzeigen und Nachrichten'', 28.10.1878, S. 1</ref> Bereits [[1874]] hatte sich der, auch in Flensburg bestehende, [[Allgemeiner Arbeiterschaftsverband|Allgemeine Arbeiter-Unterstützungsverband]] reichsweit aufgelöst.<ref>Siehe u.a. ''Neuer Social-Demokrat'', 15.3.1874</ref>
 
Der Kreisverein, der erst am [[4. Januar]] [[1946]] die Genehmigung der Militärregierung erhalten hatte, sich neu zu gründen<ref>{{Martens-45-59}}, S. 79</ref>, löste sich nicht auf. [[Nicolaus Reiser]] blieb Vorsitzender der Ausgeschlossenen, die als [[Sozialdemokratische Partei Flensburgs (SPF)]] unabhängig von der Mutterpartei weiterarbeiteten, bis sich die beiden Teile auf dem [[Bezirksparteitag 1954, Kiel|Bezirksparteitag 1954]] wiedervereinigten. 


Die SPD gründete einen neuen Kreisverein, dessen Vorsitz [[Hans Riethmüller]] übernahm. Mitglieder waren zunächst ca. 20 Einheimische und ca. 150 Heimatvertriebene.<ref>Christiansen: ''Meine Geschichte'', S. ?</ref> Damit gab es in den Jahren [[1946]] bis [[1954]] parallel zwei SPDen und zwei Vorsitzende. Der - deutlich kleinere - neue Kreisverein arbeitete ebenfalls bis zur Wiederaufnahme der Ausgeschlossenen, erlangte jedoch in Flensburg keine große Bedeutung.
[[1875]] wurden die Genossen [[Th. Leiding]] und [[H. P. Specht]] zu „Agenten des Vorstands“ der [[SAPD]] ernannt.<ref>''Der Volksstaat'', 16.8.1875</ref>


Bei einer gemeinsamen Kundgebung in Flensburg am [[9. März]] [[1953]] mit dem Nachfolger des verstorbenen [[Kurt Schumacher]], [[Erich Ollenhauer]], erklärte der Vorsitzende der dänischen Sozialdemokraten, [[Hans Hedtoft]], dass eine erneute Verschiebung der [[1920]] festgelegten Grenze in Dänemark kein ernsthaftes Thema sei. Dadurch öffnete sich eine Tür für die Wiederannäherung von SPD und [[Sozialdemokratische Partei Flensburgs (SPF)|SPF]].<ref>{{Osterroth-100-Jahre|Seite=136}}</ref> Auf dem [[Bezirksparteitag 1954, Kiel|Bezirksparteitag im Juli 1954]] vereinigte sich die SPF endgültig wieder mit der schleswig-holsteinischen SPD. Eine ganze Reihe ihrer Mitglieder wechselten jedoch in den SSW oder traten der SPD nicht wieder bei.  
[[1874]] gab es neben der örtlichen [[ADAV]]-Gemeinde auch einen Arbeiter-Wahlverein.<ref>Vgl. bspw. ''Neuer Social-Demokrat'', 19.4.1874</ref> Vermutlich war dieser identisch mit dem vier Jahre später verbotenen Volksverein.  


Während [[Hans Riethmüller]] sein Amt vermutlich [[1954]] abgab, blieb [[Nicolaus Reiser]] noch bis [[1956]] Vorsitzender der wieder geschlossenen Flensburger SPD. Der Kreisverein ernannte ihn später zum Ehrenvorsitzenden.
Am [[26. Mai]] [[1872]] wurde eine Versammlung der [[Lassalleaner]] in Flensburg überraschend aufgelöst. Die Sozialisten gingen in eine Versammlung der Dänen, um dort reden zu dürfen. Als der Hamburger [[Heinrich Christian Radenhausen]] zum Reden ansetzte, sollte auch diese Versammlung aufgelöst werden.
<blockquote>"Als [der Oberpolizeidiener Lafranz] obendrein einen Hochrufer auf [[Wilhelm Hasenclever|Hasenclever]] verhaften wollte, rissen ihn erregte Leute nieder und mißhandelten ihn. Es kam zu einem Tumult und einem lauten Umzug durch die Straßen. Darauf wurde Militär eingesetzt und viele Verhaftungen vorgenommen. Vier Arbeiter erhielten wegen Aufruhr 6 Monate Gefängnis, [[Genosse Bach|Bach]] 14 Tage und [[Genosse Schulz|Schulz]] 3 Wochen Haft."<ref>{{Osterroth-100-Jahre}}, Seite 14</ref></blockquote>


==Literatur==
==Literatur==
*Andersen, Dorrit: ''Die Gründung und die ersten Jahre der Flensburger Arbeiterbewegung 1868 bis 1878'', in: Flensburg: 700 Jahre Stadt. Eine Festschrift zum 700 jährigen Stadtjubiläum, Flensburg 1984, S. 321-338.
*Andersen, Dorrit: ''Die Gründung und die ersten Jahre der Flensburger Arbeiterbewegung 1868 bis 1878'', in: ''Flensburg: 700 Jahre Stadt. Eine Festschrift zum 700 jährigen Stadtjubiläum'' (Flensburg 19849, S. 321-338
*Christiansen, W. L.: ''[https://www.dcbib.dk/sites/sydslesvig.ddbcms.dk/files/files/news/032_wl_christiansen_meine_geschichte_der_sozialdemokratischen_partei_flensburg_2.pdf Meine Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Flensburgs. Sozialdemokraten zwischen Deutsch und Dänisch 1945-1954]'' (Flensburg 1993)
*Christiansen, W. L.: ''[https://www.dcbib.dk/sites/sydslesvig.ddbcms.dk/files/files/news/032_wl_christiansen_meine_geschichte_der_sozialdemokratischen_partei_flensburg_2.pdf Meine Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Flensburgs. Sozialdemokraten zwischen Deutsch und Dänisch 1945-1954]'' (Flensburg 1993)
*Hellwig, Hugo: ''Der Anfang der politischen Arbeiter-Bewegung in Flensburg'', Flensburg 1926
*Hellwig, Hugo: ''Der Anfang der politischen Arbeiter-Bewegung in Flensburg'' (Flensburg 1926)
*Hellwig, Hugo / Michelsen, Peter: [https://www.dein-ads.de/fileadmin/download/pdf_grenzfriedenshefte/1978/grenzfriedenshefte-3-4-1978.pdf Der November 1918 in Flensburg, in: Grenzfriedenshefte 3-4/1978, S. 119-126.]
*Jacobsen, Jens Christian / [[Gert Roßberg|Roßberg, Gert]] / Schütt, Hans-Friedrich / Windmann, Horst: ''125 Jahre SPD Flensburg'' (Flensburg 1993) ISBN 3-925856-23-4
*Jacobsen, Jens Christian / [[Gert Roßberg|Roßberg, Gert]] / Schütt, Hans-Friedrich / Windmann, Horst: ''125 Jahre SPD Flensburg'' (Flensburg 1993) ISBN 3-925856-23-4
*Jacobsen, Jens Christian: [https://www.dein-ads.de/fileadmin/download/pdf_grenzfriedenshefte/2012/gfh_3_2012.pdf#page=21 ''"Heimtückische" Sozialdemokraten in Flensburg 1933-1945.''] In: Grenzfriedenshefte. Band 59, 2012, S. 167–178.
*Jacobsen, Jens Christian: [https://www.dein-ads.de/fileadmin/download/pdf_grenzfriedenshefte/2012/gfh_3_2012.pdf#page=21 ''"Heimtückische" Sozialdemokraten in Flensburg 1933-1945''] In: ''Grenzfriedenshefte'' Band 59 (2012), S. 167–178.
*Lehfeldt: ''Beitrag zur älteren Geschichte der Flensburger Arbeiterbewegung''; Schreibmachinenmanuskript im StA Flensburg
*Lehfeldt: ''Beitrag zur älteren Geschichte der Flensburger Arbeiterbewegung'' (Maschinenschriftliches Manuskript im Stadtarchiv Flensburg o. J.)
*[[Holger Martens|Martens, Holger]]: ''Die Geschichte der SPD in Schleswig-Holstein 1945-1959'' (Malente 1998) ISBN 3-933862-24-8
*[[Holger Martens|Martens, Holger]]: ''Die Geschichte der SPD in Schleswig-Holstein 1945-1959'' (Malente 1998) ISBN 3-933862-24-8
*Nielsen, Hans: ''Streiflichter aus meinem Leben'' (Flensburg 1994)
*Nielsen, Hans: ''Streiflichter aus meinem Leben'' (Flensburg 1994)
*Schartl, Matthias: ''[https://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_04/Demokratische_Geschichte_Band_04_Essay04.pdf "Versammlung aufgelöst. B. verhaftet ohne Grund. Die Stimmung vortrefflich!"]'', in: [[Demokratische Geschichte]], Band 4 (1989)
*Schartl, Matthias: ''[https://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_04/Demokratische_Geschichte_Band_04_Essay04.pdf "Versammlung aufgelöst. B. verhaftet ohne Grund. Die Stimmung vortrefflich!"]'', in: ''[[Demokratische Geschichte]]'', Band 4 (1989)
*Schartl, Matthias: ''Sozialdemokratie und Sammlungspolitik im Raum Flensburg 1870 – 1914. Die Reichstagswahlen und die Politisierung der Region im nördlichen Schleswig-Holstein'' (Kiel 1996)
*Schartl, Matthias: ''Sozialdemokratie und Sammlungspolitik im Raum Flensburg 1870 – 1914. Die Reichstagswahlen und die Politisierung der Region im nördlichen Schleswig-Holstein'' (Kiel 1996)



Aktuelle Version vom 7. Dezember 2025, 15:30 Uhr

Der Kreisverband Flensburg umfasst die Stadt Flensburg ohne den Landkreis Schleswig-Flensburg. Er wurde 1868 gegründet.

Am 14. November 2018 feierte die SPD Flensburg ihr 150jähriges Bestehen mit einem Festakt.

Partei

Nach intensiven Diskussionen beschloss der Kreisverband auf dem außerordentlichen Kreisparteitag vom 23. März 2024 die Auflösung der bisherigen fünf Ortsvereine und eine Neuaufteilung des Kreisverbands-Gebiets in drei neue Ortsvereine. Diese gründeten sich im Juli 2024.

Am 13. Juli 2023 übernahm Kianusch Stender den Kreisvorsitz, nachdem er sich auf einem Kreisparteitag gegen den spontan kandidierenden Felix Ferber mit 31 zu 17 Stimmen durchsetzen konnte. Stellvertretender Vorsitzender wurde Florian Matz.[1]

Im Februar 2021 gab Justus Klebe den Kreisvorsitz ab, um Vorsitzender der Ratsfraktion zu werden. Zunächst kommissarisch übernahmen Birgit Jaspersen und Lars Christiansen den Vorsitz als Doppelspitze.

Während der Amtszeit des Vorsitzenden Gert Roßberg wurden im Dezember 1974 die "Stadtgruppen" eingeführt, 1989 in Ortsvereine umgewandelt.[2]

Beirat

Der Kreisverband Flensburg hat sich einen Beirat gegeben, nach einer Idee von Wolfgang Wodarg. In diesem Gremium treffen sich monatlich ehemalige Funktionsträger und diskutieren die gesellschaftliche und politische Lage. Koordinator war bis Ende 2015 Gert Roßberg.

Arbeitsgemeinschaften

Am 24. April 2024 gründete sich die AG SPD Frauen Flensburg neu. Sprecherin wurde Anja Funk-Klebe, weiter wurden Christianne Nölting, Johanna Selbert und Partei-Urgestein Barbara Philipsen in den Vorstand gewählt.[3] Ein Anlass für die Wiedergründung war der bevorstehende 75. Jahrestag des Grundgesetzes, an dem Johanna Selberts Urgroßmutter Elisabeth Selbert maßgeblich im Sinne der Gleichberechtigung mitgewirkt hatte.[4]

Kommunalpolitik

Bei der Kommunalwahl 2023 wurde die SPD in Flensburg mit 13,5 % nur viertstärkste Kraft hinter SSW, Grünen und CDU. Sie verlor 4,7 % gegenüber der Kommunalwahl 2018.[5]

Im Februar 2021 übernahm der 23-jährige Justus Klebe den Fraktionsvorsitz vom 67-Jährigen Helmut Trost, der seit 1984 haupt- und ehrenamtlich in der Kommunalpolitik und -verwaltung tätig und seit 2008 Vorsitzender der Ratsfraktion war.[6] Weiter bilden Birgit Jaspersen als Stellvertreterin, Lars Christiansen, Nils Düster, Lisa Hellwig und Florian Matz sowie 24 bürgerschaftliche Mitglieder die Fraktion.[7]

In der Kommunalwahl 1970 errang die SPD mit 17 Sitzen (gegenüber CDU 14 und SSW 8) zum ersten Mal die Mehrheit in der Ratsversammlung und konnte mit Artur Thomsen erstmals den Stadtpräsidenten stellen.[8]

Erstmals konnten im März 1910 zwei Sozialdemokraten in die Stadtverordnetenversammlung einziehen.[9]

Bürgermeisteramt

In der Oberbürgermeisterwahl 2016 gelang es der SPD, ein Wahlbündnis mit CDU und Grünen zu schmieden und die Landtagsabgeordnete Simone Lange ins Rennen gegen den Amtsinhaber vom SSW zu schicken. Bereits im ersten Wahlgang konnte sie sich mit 51,4 % der Stimmen durchsetzen. Die SPD stellte zum ersten Mal seit 1999 wieder die Oberbürgermeisterin. Die Wiederwahl blieb ihr 2022 jedoch versagt, das Wahlbündnis hatte sich aufgelöst.

2004 führte Helmut Trost nach dem plötzlichen Tod des CDU-Oberbürgermeisters die Geschäfte. In der Wahl konnte er sich aber nicht gegen den Kandidaten der CDU durchsetzen.

Geschichte

Um den 1925 verstorbenen Friedrich Ebert, den in der Arbeiterschaft populären "Sohn des Volkes", entwickelte sich postum ein regelrechter Kult. In Flensburg tauchte nach dem Ende der NS-Herrschaft unter anderem ein Relief wieder auf, das auf Initiative der SPD und des AvS zum 100. Todestag des Reichspräsidenten am 28. Februar 2025 im Flensburger Kreisbüro einen würdigen Platz erhielt.[10]

Neugründung und "Auflösung"

Das bemerkenswerteste Ereignis in der langen Geschichte der Flensburger SPD dürfte gewesen sein, dass der Parteivorsitzende Kurt Schumacher in einer öffentlichen Rede in Husum am 7. Juli 1946 die Anordnung ihrer Auflösung verkündete. Grund waren unvereinbare Positionen in der Frage der Grenze mit Dänemark; es gab in der Flensburger SPD Bestrebungen, den Anschluss der Stadt nach Dänemark zu suchen, während die Parteiführung und auch große Teile der Landespartei sie als zu Deutschland gehörige Stadt sahen.

Am 19. Juni 1946 hatte der Bezirksvorstand beschlossen, an der Grenzziehung zu Dänemark als Ergebnis des Volksentscheids von 1920 festzuhalten. Als der Kreisverein Flensburg seine Aktivitäten aber nicht einstellte, reagierte Kurt Schumacher - soweit man weiß, ohne Vorinformation der Betroffenen, möglicherweise auch in Überschreitung seiner Befugnisse. In seiner Husumer Rede begründete er seine drastische Maßnahme:

"Wir wollen ein neues Deutschland, nicht einen neuen Nationalismus, sondern einen gleichgeachteten und gleichberechtigten Bestandteil der Vereinigten Staaten von Europa, dann soll in diesem neuen Deutschland auch Südschleswig dabei sein."[11]

Der Kreisverein, der erst am 4. Januar 1946 die Genehmigung der Militärregierung erhalten hatte, sich neu zu gründen[12], löste sich nicht auf. Nicolaus Reiser blieb Vorsitzender der Ausgeschlossenen, die als Sozialdemokratische Partei Flensburgs (SPF) unabhängig von der Mutterpartei weiterarbeiteten, bis sich die beiden Teile auf dem Bezirksparteitag 1954 wiedervereinigten.

Die SPD gründete einen neuen Kreisverein, dessen Vorsitz Hans Riethmüller übernahm. Mitglieder waren zunächst ca. 20 Einheimische und ca. 150 Heimatvertriebene.[13] Damit gab es in den Jahren 1946 bis 1954 parallel zwei SPDen und zwei Vorsitzende. Der - deutlich kleinere - neue Kreisverein arbeitete ebenfalls bis zur Wiederaufnahme der Ausgeschlossenen, erlangte jedoch in Flensburg keine große Bedeutung.

Bei einer gemeinsamen Kundgebung in Flensburg am 9. März 1953 mit dem Nachfolger des verstorbenen Kurt Schumacher, Erich Ollenhauer, erklärte der Vorsitzende der dänischen Sozialdemokraten, Hans Hedtoft, dass eine erneute Verschiebung der 1920 festgelegten Grenze in Dänemark kein ernsthaftes Thema sei. Dadurch öffnete sich eine Tür für die Wiederannäherung von SPD und SPF.[14] Auf dem Bezirksparteitag im Juli 1954 vereinigte sich die SPF endgültig wieder mit der schleswig-holsteinischen SPD. Eine ganze Reihe ihrer Mitglieder wechselte jedoch in den SSW oder trat der SPD nicht wieder bei.

Während Hans Riethmüller sein Amt vermutlich 1954 abgab, blieb Nicolaus Reiser noch bis 1956 Vorsitzender der wieder geschlossenen Flensburger SPD. Der Kreisverein ernannte ihn später zum Ehrenvorsitzenden.

Weimarer Republik

1927 wurde in Flensburg eine Straße nach Friedrich Ebert benannt. Am 11. April 1933 - gegen die Stimmen der SPD - für die nächsten 12 Jahre in "Horst-Wessel-Straße" umbenannt, erhielt sie nach dem Ende der NS-Herrschaft ihren republikanischen Namen zurück.[10]

Der Kapp-Putsch vom März 1920 wurde in der Grenzregion durch den laufenden Abstimmungskampf und den nationalen Gegensatz zwischen deutsch und dänisch Gesinnten zusätzlich belastet. Die Stadtspitze bildeten zu dieser Zeit nach Anordnung der Internationalen Kommission, der Flensburg während der Abstimmungszeit unterstand,

"als Bürgermeister der Kaufmann Karl Holm und als Polizeichef der ehemalige Sozialdemokrat Waldemar Sörensen, der schon in der Revolutionsperiode diese Position innehatte, sich aber im Frühjahr 1919 von seiner Partei abwandte und für den Anschluß an Dänemark votierte. Zugleich verließen [...] die letzten Reichswehrtruppen die Stadt. Die städtische Verwaltung unterstand somit der Internationalen Kommission, und ihr war zudem auferlegt, sich politisch neutral zu verhalten."[15]

Dies geschah nicht. Dänisch gesinnte Kreise versuchten mit dem Hinweis, dass in Deutschland in Zukunft keine demokratischen Verhältnisse mehr zu erwarten seien, Stimmen für den Anschluss an Dänemark zu gewinnen; der bürgerliche "Deutsche Ausschuss" hingegen begrüßte den Putsch ganz offen. Die SPD beendete die bisherige Zusammenarbeit mit dem "Deutschen Ausschuss"; ihre Stadtvertreter Wilhelm Haberlandt, Ernst Erfurth und Ferdinand Grabein versuchten später, eine Bestrafung von Unterstützern des Putsches in Flensburg zu erreichen, konnten sich jedoch aufgrund der Machtverhältnisse nicht durchsetzen.[16]

Kaiserreich

Wilhelm Haberlandt
Der bisher früheste namentlich ermittelte Vorsitzende war Wilhelm Haberlandt (* 25. Dezember 1878, † 1941).[17] Er stand von 1905 bis zum Verbot 1933 an der Spitze der Flensburger SPD, war Fraktionsvorsitzender in der Stadtverordnetenvertretung und Stadtrat, bis 1933 Abgeordneter des Provinziallandtages und gleichzeitig Parteisekretär im 1. Unterbezirk Flensburg-Schleswig-Husum-Tondern.[18]

Bis zum Sozialistengesetz gab es in Flensburg einen sozialdemokratischen Volksverein, einen Arbeiter-Sängerbund und einen Bildungsverein für Arbeiter.[19] Bereits 1874 hatte sich der, auch in Flensburg bestehende, Allgemeine Arbeiter-Unterstützungsverband reichsweit aufgelöst.[20]

1875 wurden die Genossen Th. Leiding und H. P. Specht zu „Agenten des Vorstands“ der SAPD ernannt.[21]

1874 gab es neben der örtlichen ADAV-Gemeinde auch einen Arbeiter-Wahlverein.[22] Vermutlich war dieser identisch mit dem vier Jahre später verbotenen Volksverein.

Am 26. Mai 1872 wurde eine Versammlung der Lassalleaner in Flensburg überraschend aufgelöst. Die Sozialisten gingen in eine Versammlung der Dänen, um dort reden zu dürfen. Als der Hamburger Heinrich Christian Radenhausen zum Reden ansetzte, sollte auch diese Versammlung aufgelöst werden.

"Als [der Oberpolizeidiener Lafranz] obendrein einen Hochrufer auf Hasenclever verhaften wollte, rissen ihn erregte Leute nieder und mißhandelten ihn. Es kam zu einem Tumult und einem lauten Umzug durch die Straßen. Darauf wurde Militär eingesetzt und viele Verhaftungen vorgenommen. Vier Arbeiter erhielten wegen Aufruhr 6 Monate Gefängnis, Bach 14 Tage und Schulz 3 Wochen Haft."[23]

Literatur

Links

Kreisverband Flensburg
Kreisverband Flensburg
Kreisverband Flensburg
Gegründet: 1868 als Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein
Wiedergegründet: 1946
Vorsitzende/r: Kianusch Stender
Homepage: http://www.spd-flensburg.de/


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Personen


Einzelnachweise

  1. SPD Flensburg: Facebook, 14.7.2023
  2. Vgl. Simone Lange: Gert Roßberg - ein Leben für Bildung und Politik, Flensburger Tageblatt, 11.1.2016.
  3. SPD Flensburg: Die SPD FRAUEN gründen sich neu, Homepage, 25.4.2024, abgerufen 25.10.2024
  4. Walther, Antje: SPD-Frauen gründen sich neu in Flensburg: Was wollen sie bewirken?, Flensburger Tageblatt, 6.5.2024 (Bezahlschranke, aber der Artikel kann angehört werden.
  5. Stadt Flensburg: Kommunalwahl 14. Mai 2023 - Amtliches Endergebnis
  6. SPD Flensburg: Neues Team an der Spitze der SPD-Ratsfraktion: Justus Klebe ist neuer Vorsitzender. „Der Staffelstab ist übergeben, die SPD-Fraktion startet durch!“, Homepage, 9.3.2021
  7. Stadt Flensburg: Ratsinfo - Sozialdemokratische Partei Deutschlands, abgerufen 9.4.2025
  8. Kieler Nachrichten, 15.5.1970
  9. Hamburger Echo, 10.8.1910, S. 6
  10. 10,0 10,1 Versteckte Gedenktafel überstand die Nazizeit, vorwärts - WIR in Schleswig-Holstein 2/2025, Seite IV
  11. Zitiert nach: Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), Seite 124
  12. Martens, Holger: Die Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Schleswig-Holstein 1945 - 1959 (Malente 1998), ISBN 3-933862-24-8, S. 79
  13. Christiansen: Meine Geschichte, S. ?
  14. Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), Seite 136
  15. Schartl, Matthias: Landräte und Kapp-Putsch 1920 im nördlichen Schleswig-Holstein, S. 199
  16. Schartl, Matthias: Landräte und Kapp-Putsch 1920 im nördlichen Schleswig-Holstein, S. 199 ff.
  17. Martens, Holger: Die Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Schleswig-Holstein 1945 - 1959 (Malente 1998), ISBN 3-933862-24-8, S. 551
  18. Schartl, Matthias: Landräte und Kapp-Putsch 1920 im nördlichen Schleswig-Holstein, S. 202
  19. Harburger Anzeigen und Nachrichten, 28.10.1878, S. 1
  20. Siehe u.a. Neuer Social-Demokrat, 15.3.1874
  21. Der Volksstaat, 16.8.1875
  22. Vgl. bspw. Neuer Social-Demokrat, 19.4.1874
  23. Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963]), Seite 14
  24. davon 13. Juli 1946 - 4. Juli 1954 als Vorsitzender der SPF
  25. Bis 1954 Sozialdemokratische Partei Flensburgs (SPF).