Ortsverein Wedel: Unterschied zwischen den Versionen
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Der '''Ortsverein Wedel''' ist eine Gliederung im [[Kreisverband Pinneberg]]. | [[Datei:FahneSPDWedelBerger.png|mini|right|Traditionsfahne der SPD Wedel]]Der '''Ortsverein Wedel''' ist eine Gliederung im [[Kreisverband Pinneberg]]. Er wurde [[1903]] gegründet.<ref>[https://resolver.sub.uni-hamburg.de/kitodo/PPN1754726119_19280316/page/7 ''Hamburger Echo''], 16.3.1928</ref> | ||
==Vorsitz== | |||
Seit [[2024]] ist [[Bernt Berger]] Vorsitzender. Ab [[2020]] war es eine Doppelspitze aus [[Claudia Wittburg]] und [[Lothar Barop|Kurt Lothar Barop]], die auf die kurze Amtszeit von Dr. [[Friedhelm Michalke]] folgte. Davor sind die Vorstände weitgehend ungeklärt: Bis [[2019]] amtierten [[Meltem Adal]] und wieder [[Lothar Barop|Kurt Lothar Barop]] als Doppelspitze - ab wann, ist nicht ermittelt. Sicher ist, dass von [[1968]] bis [[1972]] [[Helmut Plüschau]] an der Spitze des Ortsvereins stand (der sich bis zuletzt für seine Partei einsetzte: ''[https://www.spd-wedel.de/warum-spd/helmut-plueschau/ Warum SPD?]'') | |||
Weitere Vorstände unter [[Ortsverein Wedel - Vorstände]] | |||
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== | ==Kommunalpolitik== | ||
In der [[Kommunalwahl 2023]] wurde die SPD mit 17,8 % und sieben Sitzen, alle über die Liste, drittstärkste Kraft. Sie wird vertreten von [[Christian Freitag]], [[Stefan Grasedieck]], [[Lothar Kassemek]] († [[22. Januar]] [[2026]]<ref>SPD Wedel: ''[https://www.spd-wedel.de/2026/01/22/einer-von-uns-ist-gegangen-lothar-kassemek/ Einer von uns ist gegangen: Lothar Kassemek]'', Homepage, 22.1.2026</ref>), [[Heidrun Keck]], [[Wolfgang Rüdiger]], [[Kadir Sayinç]] und [[Laurin Schwarz]].<ref>Der Landeswahlleiter: [https://www.wahlen-sh.de/grw/gemeindewahlen_gemeinde_010560050050.html Gemeindewahlen 14. Mai 2023, Wedel. Amtliches Endergebnis]</ref> | |||
== Einzelnachweise == | In der [[Kommunalwahl 2018]] wurde die SPD nach der CDU mit 23,2 % zweitstärkste Kraft. Sie gewann fünf der 16 Wahlkreise direkt und erhielt zudem vier Listenplätze. Sie wurde im Stadtparlament vertreten durch [[Meltem Adal]] (Wahlkreis 7), [[Lothar Barop]] (Wahlkreis 16), [[Rüdiger Fölske]] (Wahlkreis 14), [[Sophia Jacobs-Emeis]] (Liste), [[Heidi Keck]] (Liste), [[Dennis Lobeck]] (Wahlkreis 5), [[Wolfgang Rüdiger]] (Wahlkreis 15), [[Gaby Ulm]] (Liste) und [[Claudia Wittburg]] (Liste). | ||
Nach der [[Kommunalwahl 1970]] wurde [[Karl Cherk]] Bürgervorsteher, trat aber Anfang [[1971]] zurück, nachdem ihm seine Fraktion im Zusammenhang mit der Affäre um den Bürgermeister Dr. Claus Winkler das Misstrauen ausgesprochen hatte. Dr. Winkler nahm sich das Leben, unter anderem, weil er sich für [[Karl Cherk]]s Rücktritt verantwortlich gefühlt habe.<ref>{{Wikipedia|NAME=Claus Winkler (Politiker)}}, abgerufen 30.1.2026</ref> | |||
Ab [[1963]] arbeitete und lebte der Schriftsteller [[Hansjörg Martin]] in Wedel und war als Ratsherr für die SPD aktiv. Nach der [[Kommunalwahl 1974]] griff der [[Landesvorstand]] gegen Abweichler durch: | |||
<blockquote>"In [[Kreisverband Pinneberg|Pinneberg]] wurde gegen 14 Sozialdemokraten ein Verfahren eingeleitet. Diesen SPD-Mitgliedern wird vorgeworfen, eine Liste der [[Übersicht der Parteien der Arbeiterbewegung|DKP]] zur Kommunalwahl mit unterschrieben zu haben. Zu den Unterzeichnern gehört auch der ehemalige Wedeler Ratsherr und Kriminalautor [[Hansjörg Martin]]."<ref>[[Rainer Burchardt|Burchardt, Rainer]]: ''[https://www.zeit.de/1974/17/angeln-nach-einem-kandidaten/komplettansicht Angeln nach einem Kandidaten]'', DIE ZEIT Nr. 17/1974</ref></blockquote> | |||
Von [[1955]] bis zu seinem Tod am [[19. November]] [[1958]] übte [[Heinrich Schacht]] (* [[14. März]] [[1886]]) das Amt des Bürgervorstehers aus - mit praktisch denselben Funktionen, die ihm vorher als Bürgermeister oblagen. | |||
Stadtvertreterinnen waren auch in Wedel in der "ersten Stunde" nach der NS-Herrschaft seltene Wesen. Eine von ihnen war ab der [[Kommunalwahl 1951]] [[Hanna Lucas]]. | |||
Immerhin gehörte schon der ersten Stadtvertretung nach der NS-Herrschaft, gewählt am [[26. September]] [[1946]], eine Frau an - die Sozialdemokratin [[Helmar Eydeler]], die noch bis [[1962]] Ratsmitglied war.<ref>Stadt Wedel: ''[https://www.wedel.de/kultur-bildung/wedel-historisch/ereignisse September 1946 – Politischer Neubeginn]'', abgerufen 28.1.2026</ref> Weiteres ist leider über sie bisher nicht ermittelt. | |||
Bei der [[Kommunalwahl 1929]] erhielt die SPD mit 46,0 % acht von 18 Sitzen. Gewählt wurden [[Carl Brauer (Senior)|Carl Brauer sen]], [[Pauline Bröker]], [[Bendix Koopmann]], [[August Kudlik]], [[Bernhard Mahlow]], [[Alfred Pauder]], [[Heinrich Schacht]] und [[Adolf Schaller]]. [[Wilhelm Bock]] und [[Karl Behrens]] wurden als mögliche Nachrücker für zwei Gewählte genannt, sollten diese in das dreiköpfige Ratmannkollegium aufrücken.<ref>''[https://resolver.sub.uni-hamburg.de/kitodo/PPN1754726119_19291121/page/6 Der sozialdemokratische Fortschritt in Wedel]'', ''Hamburger Echo'', 21.11.1929, Seite 6</ref> Nur [[Adolf Schaller|Genosse Schaller]] wurde jedoch zum Ratmann gewählt.<ref>''[https://resolver.sub.uni-hamburg.de/kitodo/PPN1754726119_19291214/page/6 Stadtverordnetensitzung in Wedel]'', ''Hamburger Echo'', 14.12.1929, Seite 6</ref> Möglicherweise handelt es sich dabei um einen Übermittlungsfehler und hätte [[Heinrich Schacht|Genosse Schacht]] heißen sollen, denn bei der Darstellung der letzten regulären Stadtverordnetensitzung, die am [[30. Januar]] [[1933]] "im städtischen Gasthof von August Rösicke" stattfand, wurde [[Adolf Schaller]] als Stadtverordneter genannt, auch [[Wilhelm Bock]] und [[Karl Behrens]], außerdem [[Heinrich Müller]]. [[Heinrich Schacht]], [[Carl Brauer (Senior)|Carl Brauer sen]] und [[Alfred Pauder]] kommen nicht mehr vor.<ref>Stadt Wedel: ''[https://www.wedel.de/kultur-bildung/wedel-historisch/ereignisse Januar 1933 – Eine Stadtvertretersitzung mit entsicherter Waffe?]'', abgerufen 30.1.2026</ref> Die beiden Letzteren könnten aus anderen Gründen im Laufe der Wahlperiode ausgeschieden sein. | |||
Bei der [[Kommunalwahl 1924]] erhielt die SPD 34,0 %. Unter anderen kam [[Pauline Bröker]] - als zweite Frau überhaupt - in die Stadtvertretung, der sie bis [[1933]] angehörte. | |||
Vor dem 1. Weltkrieg war auch der Arbeiter [[Heinrich Oelrich]] Stadtverordneter. Er kehrte aus dem Krieg nicht zurück, sondern starb noch nach Kriegsende in einem Feldlazarett an einer schweren Erkrankung.<ref>Stadt Wedel: ''[https://www.wedel.de/kultur-bildung/wedel-historisch/ereignisse November 1918 – Zwischen Kriegsanleihen und Soldatenräten]'', abgerufen 29.1.2026</ref> | |||
=== Bürgermeister*innen === | |||
Am [[18. November]] [[2024]] fand erneut eine Bürgermeisterwahl statt. [[Claudia Wittburg]] wurde mit 19,8 % Dritte von vier Kandidierenden und verfehlte die Stichwahl.<ref>SPD Wedel: ''[https://www.spd-wedel.de/2024/06/16/nach-der-buergermeisterabwahl-was-jetzt/ Ein enttäuschendes Ergebnis]'', Homepage, abgerufen 30.1.2026</ref> Sie hatte sich im Februar [[2016]] schon einmal beworben, noch als Parteilose; damals reichten auch 45,6 % nicht für den Sieg.<ref>gabriel: ''[https://www.shz.de/lokales/wedel-uetersen-tornesch/artikel/knapper-sieg-fuer-niels-schmidt-41557469 Knapper Sieg für Niels Schmidt]'', Uetersener Nachrichten, 29.2.2016 (Bezahlschranke)</ref> | |||
*Juni [[1993]]-[[1999]] - Der Verwaltungsbeamte [[Gerd Brockmann]] (* [[23. Januar]] [[1951]] in Hamburg) | |||
*[[1. Juli]] [[1983]]-[[8. Oktober]] [[1992]] - Der Jurist [[Jörg Balack]] (* [[12. April]] [[1941]] in Berlin), vorher Kommunalpolitiker in Wedel, übte das Amt nach einer Wiederwahl zum [[16. Februar]] [[1989]] bis zu seinem Tod aus. <ref>Stadt Wedel: ''[https://www.wedel.de/leben-in-wedel/stadtleben/wedeler-persoenlichkeiten/buergermeister-der-stadt-wedel.html Bürgermeister der Stadt Wedel]'', abgerufen 30.1.2026</ref> Nach ihm ist eine kurze Straße, der Jörg-Balack-Weg, benannt, die sich als Fußweg an der Wedeler Au fortsetzt. | |||
*[[6. Juni]] [[1946]]-[[1950]] - Der Buchhalter [[Heinrich Schacht]] (ehrenamtlich). Er war schon vor der NS-Herrschaft Kommunalpolitiker gewesen und während der [[Aktion Gewitter]] ab [[22. August]] [[1944]] im KZ Neuengamme eingesperrt worden.<ref>Albert, Björn / Büttner, Matthias / Just, Franziska / Sander, Myriam / Schöttner, Christoph: ''[https://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_12/Demokratische_Geschichte_Band_12_Essay_6.pdf Der rote Vorposten Hamburgs. Widerstand in Wedel]'', in: ''Demokratische Geschichte'' 12 (1999), S. 83</ref> Die Stadtvertretung beschloss am [[3. April]] [[1959]], eine Straße nach ihm zu benennen.<ref>Stadt Wedel: ''[https://www.wedel.de/leben-in-wedel/stadtleben/wedeler-persoenlichkeiten/buergermeister-der-stadt-wedel.html Bürgermeister der Stadt Wedel]'', abgerufen 30.1.2026</ref> | |||
==Geschichte== | |||
=== Kampf dem Atomtod === | |||
Die Initiative ''[[Kampf dem Atomtod]]'' gegen die Bewaffnung der Bundeswehr mit Atomwaffen fand auch in Wedel einige Unterstützung. Im örtlichen Arbeitsausschuss, am [[16. April]] [[1958]] gebildet, arbeiteten mehrere Sozialdemokraten mit. Im Mai lud die Initiative zu einer Protestkundgebung auf den Marktplatz von Wedel-Schulau ein. Zu den 2500 Teilnehmer*innen sprach auch die stellvertretende Kreispräsidentin [[Hanna Lucas]]. | |||
Drei Sozialdemokraten waren im Arbeitsausschuss vertreten; für alle brachte die weitere Entwicklung den Ausschluss aus der SPD wegen "parteischädigenden Verhaltens". Der langjährige Stadtvertreter [[Walter Pawellek]], [[Otto Borchers]] und [[Eugen Schwarz]] fochten diese Entscheidung an, aber im Oktober [[1959]] wurde sie durch den Parteivorstand bestätigt.<ref>Stadt Wedel: ''[https://www.wedel.de/kultur-bildung/wedel-historisch/kampf-dem-atomtod Kampf dem Atomtod]'', abgerufen 30.1.2026. Dort auch weitere biografische Angaben.</ref> | |||
===Friedrich-Ebert-Gedenkstein=== | |||
[[Datei:Friedrich Ebert Gedenkstein Wedel.jpeg|260px|thumb|right|Der Friedrich-Ebert-Gedenkstein auf dem Wedeler Rathausplatz]] | |||
[[Datei:Transport Ebert-Stein Wedel.jpg|260px|thumb|left|Der Transport des Steins Anfang der 1930er Jahre durch Mitglieder der SPD und der Eisernen Front]] | |||
Der bei Bauarbeiten für die Theodor-Johannsen-Siedlung Anfang der [[1930]]er Jahre gefundene große Findling wurde von Wedeler SPD-Mitgliedern und Angehörigen der [[Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold#Eiserne Front|Eisernen Front]] mit eigener Kraft auf das Gelände des [[Arbeitersport|Arbeiter-Turn-und-Sportvereins (ATSV)]] in der Bergstraße gezogen. Aus ihm wurde ein Gedenkstein für den [[1925]] verstorbenen Reichspräsidenten [[Friedrich Ebert]] gestaltet. Der Bildhauer Hans Lissow meißelte Eberts Profil und die Inschrift: "Unserem großen Toten 1871 - 1925" in den Stein. | |||
Der Gedenkstein musste von Anfang an vor den erstarkenden Nazis geschützt werden. Nach der Machtübernahme der Nazis [[1933]] wurde er laut Wedeler Polizeibericht von Mitgliedern der SA demoliert. Auch die im Sockel eingemauerten Dokumente wurden gestohlen. Sie sind bis heute nicht wieder aufgetaucht. Die Namen der Täter waren durch Augen- und Ohrenzeugen bekannt. Die von einem Wedeler Bürger erstattete Anzeige verlief jedoch im Sande, der NS-Bürgermeister ließ nicht ernsthaft ermitteln. Kein Täter wurde zur Rechenschaft gezogen. | |||
Ein Wedeler Tiefbauunternehmen transportierte den Gedenkstein in die Bergstraße und vergrub ihn. Bereits im Oktober [[1946]] bemühten sich Wedeler SPD-Mitglieder darum, ihn auszugraben und wieder aufzustellen. Egon Lissow, der Sohn des Bildhauers Hans Lissow, gestaltete das Ebert-Porträt neu, der Stein erhielt auch eine veränderte Inschrift: "Friedrich Ebert, erster Reichspräsident 1919 - 1925". Am [[14. Dezember]] [[1947]] wurde der Gedenkstein auf dem Rathausplatz wieder aufgestellt.<ref>[http://www.archivportal-d.de/item/XRATXWNQWSO5GN3PQ33YL3J6TTOAMHCA Urkunde der SPD Wedel zur Übergabe des Friedrich-Ebert-Gedenksteins], Stadtarchiv Wedel, B 1, 162.6</ref> | |||
Die Täter von [[1933]] kamen auch nach [[1945]] ungeschoren davon.<ref>Bitterling, Thies: ''Der Friedrich-Ebert-Stein - von der SA demoliert, vergraben und 1947 wieder aufgestellt - eine Spurensuche''. Stadt Wedel, Denkmäler</ref> | |||
In Schleswig-Holstein stehen außer in Wedel auch in [[Ortsverein Bad Bramstedt|Bad Bramstedt]], [[Ortsverein Eutin|Eutin]], [[Ortsverein Itzehoe|Itzehoe]] und [[Ortsverein Nortorf|Nortorf]] Gedenksteine für [[Friedrich Ebert]]. | |||
=== Frauenrechte in Wedel === | |||
In der Zeit vor dem 1. Weltkrieg warb auch die Wedeler SPD immer wieder für das Frauenwahlrecht. Im Februar [[1913]] lud sie zu einer öffentlichen Frauenversammlung bei Gastwirt Holm ein. Ungefähr 60 Menschen kamen, laut Protokoll "ausschließlich dem Arbeiterstande angehörig". Die Versammlung wurde von [[Alfred Pauder]] eröffnet; ob es sich dabei um den damaligen Vorsitzenden handelte, ist nicht ermittelt. Die Versammlungsleitung übernahmen die Ehefrauen des [[Genosse Wellnitz|Tischlers Wellnitz]] und des [[Genosse Oelrich|Arbeiters und Stadtverordneten Oelrich]]<ref>Wohl die Ehefrau von Heinrich Oelrich (s.o.).</ref>. Referentin des Abends war [[Frau Paustian]] aus [[Ortsverein Altona|Ottensen]], die zum Thema ''Wer nicht sät, kann auch nicht ernten'' eine "flammende" Rede für das Frauenwahlrecht hielt. Den Kern hielt Polizist Niemann im Protokoll so fest: | |||
<blockquote>"Es sei jetzt an der Zeit, dass die Frau Rechte bekäme, sowohl im Staats- wie im Stadtparlament."<ref name=":0" /></blockquote> | |||
Auch im Vorjahr, am [[12. Mai]] [[1912]], einem Sonntagnachmittag, hatte es eine Versammlung zu diesem Thema gegeben. Rund "30 Personen beiderlei Geschlechts" – so das Polizeiprotokoll – kamen zur Rede des [[E. Saalfeld|Herrn Saalfeld]] aus Hamburg zusammen. Weiter protokollierte der überwachende Polizeibeamte Niemann: | |||
<blockquote>"Die zum Zwecke der Agitation für die Organisation der Frauen einberufene Versammlung endigte mit der Annahme einer Resolution für das Frauenwahlrecht. Als dann ließen sich 2 Frauen in die Organisation aufnehmen."<ref name=":0">Heinsohn, Kirsten/Rannegger, Anke: ''[https://www.wedel.de/fileadmin/user_upload/media/pdf/Kultur_und-Bildung/Stadtarchiv/Bestaende_des_Stadtarchivs/FraueninPolitik.pdf 1875–2000 - 125 Jahre Stadtrechte Wedel: Frauen in der Öffentlichkeit]'' (Hg. Stadt Wedel, Eigendruck, Wedel 2000), S. 8</ref></blockquote> | |||
Schon am [[19. August]] [[1910]] begeisterte [[Wilhelmine Kähler]] eine Versammlung "im Lokale des Herrn Martin Struckmeier" in Wedel. Der trockene Vortragstitel ''Die Erhöhung der Zivilliste und der Arbeiterhaushalt'' diente, wie der überwachende Polizeisergeant feststellte, "lediglich zu Agitationszwecken". Einberufer der Versammlung war der Arbeiter [[Paul Herrmann]]; er hatte sie am Vortag bei der Polizeibehörde angemeldet. Eine Besonderheit versteckte sich im Kleingedruckten des Plakats, das im Wedeler Stadtarchiv erhalten ist: Man wollte vor allem die Frauen erreichen, die seit [[1908]] das Recht auf politische Betätigung besaßen. | |||
Trotz - oder wegen - des späten Beginns um 20.30 Uhr, der Rücksicht nahm auf die langen Arbeitszeiten des Zielpublikums, kamen etwa 140 Menschen beiderlei Geschlechts zusammen. 28 von ihnen traten laut Polizeibericht noch am selben Abend in die SPD ein.<ref>Bitterling, Thies (Stadtarchiv Wedel): ''[https://www.wedel.de/kultur-bildung/wedel-historisch/stadtgeschichtliche-publikationen Wilhelmine Kähler - Eine mitreißende Frau]'', scrollen bis etwa zur Hälfte der Seite.</ref> | |||
===Gedenkstein für Helma Steinbach=== | |||
[[Datei:Schleswig-Holstein Wedel Milichstr. Siedlung „Helma-Steinbach“ Plakette.JPG|mini|260 px|Helma-Steinbach-Gedenkplakette]]Als im Juni [[1930]] die Arbeitersiedlung des Kraftwerks Schulau eingeweiht wurde, enthüllte der [[Ortsverein Altona|Altonaer]] Oberbürgermeister [[Max Brauer]], der auch Vorsitzender des Aufsichtsrates des Kraftwerks Unterelbe war, eine Bronzeplakette für [[Helma Steinbach]]. Die Altonaer Gewerkschafterin, Verfechterin des [[Allgemeiner Konsumverein Kiel|Genossenschaftswesens]] und SPD-Politikerin (1847–1918) hatte um die Wende zum 20. Jahrhundert die Arbeiterinnen der Schulauer Zuckerfabrik, "die unter schlechtesten Arbeitsbedingungen und geringsten Löhnen ein menschenunwürdiges Arbeitsleben führten", organisiert und mit ihnen die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen und Löhne erkämpft.<ref>{{Wikipedia|NAME=Helma Steinbach}}, abgerufen 23.1.2021</ref> [[Louise Schroeder]] charakterisierte sie in ihrer Rede als Vorkämpferin für die Sozialpolitik Deutschlands und darüber hinaus als vehemente Verfechterin der Staatsbürgerrechte von Frauen. Ihr Lebenspartner war [[Adolph von Elm]].<br> | |||
Die Gedenkplakette am ersten Gebäude der Milichstraße wurde vom Bildhauer Professor August Henneberger geschaffen und zeigt die Gesichtszüge dieser bedeutenden Frau. Der Bildhauer erneuerte um [[1951]] das Bronzerelief – ein Hinweis darauf, dass das Original die NS-Herrschaft und den 2. Weltkrieg nicht unbeschadet überstanden hatte.<ref>Stadt Wedel: ''[https://www.wedel.de/kultur-bildung/wedel-historisch/denkmaeler#c14757 Erinnerungsplakette für Helma Steinbach]'', abgerufen 23.1.2021</ref> | |||
===Die ''Produktion''=== | |||
Auch in Wedel gab es Läden des [[Konsumverein|Konsum]], allerdings lag die Stadt im Einzugsbereich der Hamburger ''Konsumgenossenschaft 'Produktion'''. Die Ausbreitung nach Wedel wurde nicht begrüßt: | |||
<blockquote>"So hagelte es [[1905]] Proteste der Schulauer und Wedeler Kaufleute, als der Konsumverein "Produktion" einen Grunderwerb in Wedel, Rosengarten, tätigte, um dort einen Konsumladen zu eröffnen. Man fürchtete Verkaufseinbußen und die möglicherweise durch den Konsumverein angedachte Neubebauung. Doch diese Proteste konnten die Entwicklung der Konsum-Läden in Wedel nicht aufhalten. Das erste Ladengeschäft der Produktion in Wedel wurde im Rosengarten 3 eröffnet und das Grundstück [[1910]] durch die Produktion erworben. Dem folgte eine Ladeneröffnung am Rollberg 3 und [[1928]] die Einweihung eines Geschäftes am Kronskamp [56]. <br> | |||
Alle Läden der Produktionsgenossenschaft wurden nach [[1933]] eingestellt und die Grundstücke enteignet."<ref>Stadt Wedel (Hg.): ''[https://www.wedel.de/fileadmin/user_upload/media/pdf/Kultur_und-Bildung/Stadtarchiv/Beitraege_Stadtgeschichte_u.a/ZigarettenuntermBett.pdf Zigarren unterm Bett - Frauen und ihre Stubenläden in Schulau]'' (Wedel 2001), S. 5</ref></blockquote> | |||
Leider erläutern die Autorinnen weder, worin das Besondere der [[Allgemeiner Konsumverein Kiel|Konsumgenossenschaft]]en lag, weshalb also die Händler sich durch die neue Konkurrenz bedroht fühlten, noch den Hintergrund der lapidaren Feststellung, die Läden seien "eingestellt und die Grundstücke enteignet" worden. Das ursprüngliche Geschäft am Rosengarten scheint es um [[1930]] schon nicht mehr gegeben zu haben.<ref>Stadt Wedel (Hg.): ''[https://www.wedel.de/fileadmin/user_upload/media/pdf/Kultur_und-Bildung/Stadtarchiv/Beitraege_Stadtgeschichte_u.a/ZigarettenuntermBett.pdf Zigarren unterm Bett - Frauen und ihre Stubenläden in Schulau]'' (Wedel 2001), S. 20</ref> | |||
===Arbeitersport in Wedel=== | |||
Auch die Wedeler Arbeiterbewegung gründete einen [[Arbeitersport|eigenen Sportverein]], den Arbeiter-Turn- und Sportverein Eintracht Wedel (ATSV). Wann, ist noch nicht ermittelt, es muss jedoch vor dem 1. Weltkrieg gewesen sein, denn er setzte 14 als Soldaten gestorbenen Turnkameraden einen [[Arbeitersport#Schleswig-Holstein|Gedenkstein]]. Nach dem 2. Weltkrieg, wohl in den 1950er Jahren, schloss er sich mit dem Turn- und Sportverein Wedel zusammen. [[1963]] feierte der gemeinsame Verein sein einhundertjähriges Bestehen.<ref>''[https://www.wedel.de/kultur-bildung/wedel-historisch/denkmaeler Denkmäler in Wedel]'' - Denkmale der Sportvereine'', abgerufen 23.1.2021''</ref> | |||
===Fahne=== | |||
Die [[:Kategorie:Fahne|Traditionsfahne]] des Ortsvereins aus den 1920er Jahren wird [[1975]] in einem Artikel in "[[Wir]]" erwähnt.<ref>Vollert, Jens: ''Wedel: Wahlkampf non stop.'' In: WIR, Nr. 10/1975, Seite 10</ref> Die Fahne ist weiterhin gut erhalten im Besitz des Ortsvereins. | |||
==Archive== | |||
*Stadtarchiv Wedel: [https://www.wedel.de/kultur-bildung/stadtarchiv/quellensammlung-des-stadtarchives Gremienprotokolle der Stadt Wedel 1867-1948] | |||
*[http://www.archivportal-d.de/item/G7FRETGRPK24LUCU3INW74T3UIKI763O Meldepflicht für Mitglieder von SPD und KPD], B 1, 2/20 | |||
==Literatur== | |||
*Heinsohn, Kirsten/Rannegger, Anke: ''[https://www.wedel.de/fileadmin/user_upload/media/pdf/Kultur_und-Bildung/Stadtarchiv/Bestaende_des_Stadtarchivs/FraueninPolitik.pdf 1875–2000 - 125 Jahre Stadtrechte Wedel: Frauen in der Öffentlichkeit]'' (Hg. Stadt Wedel, Eigendruck, Wedel 2000) | |||
*Pieper, Christine: ''Widerstand in Wedel'' (Hg. Stiftung zur Förderung von Kunst und Kultur der Stadt | |||
Wedel, Dölling und Galitz Verlag GmbH, Regensburg 1998) | |||
==Links== | |||
*SPD Wedel: [https://www.spd-wedel.de/ Homepage] | |||
==Einzelnachweise== | |||
<references /> | <references /> | ||
Aktuelle Version vom 1. Februar 2026, 03:44 Uhr

Der Ortsverein Wedel ist eine Gliederung im Kreisverband Pinneberg. Er wurde 1903 gegründet.[1]
Vorsitz
Seit 2024 ist Bernt Berger Vorsitzender. Ab 2020 war es eine Doppelspitze aus Claudia Wittburg und Kurt Lothar Barop, die auf die kurze Amtszeit von Dr. Friedhelm Michalke folgte. Davor sind die Vorstände weitgehend ungeklärt: Bis 2019 amtierten Meltem Adal und wieder Kurt Lothar Barop als Doppelspitze - ab wann, ist nicht ermittelt. Sicher ist, dass von 1968 bis 1972 Helmut Plüschau an der Spitze des Ortsvereins stand (der sich bis zuletzt für seine Partei einsetzte: Warum SPD?)
Weitere Vorstände unter Ortsverein Wedel - Vorstände
Kommunalpolitik
In der Kommunalwahl 2023 wurde die SPD mit 17,8 % und sieben Sitzen, alle über die Liste, drittstärkste Kraft. Sie wird vertreten von Christian Freitag, Stefan Grasedieck, Lothar Kassemek († 22. Januar 2026[2]), Heidrun Keck, Wolfgang Rüdiger, Kadir Sayinç und Laurin Schwarz.[3]
In der Kommunalwahl 2018 wurde die SPD nach der CDU mit 23,2 % zweitstärkste Kraft. Sie gewann fünf der 16 Wahlkreise direkt und erhielt zudem vier Listenplätze. Sie wurde im Stadtparlament vertreten durch Meltem Adal (Wahlkreis 7), Lothar Barop (Wahlkreis 16), Rüdiger Fölske (Wahlkreis 14), Sophia Jacobs-Emeis (Liste), Heidi Keck (Liste), Dennis Lobeck (Wahlkreis 5), Wolfgang Rüdiger (Wahlkreis 15), Gaby Ulm (Liste) und Claudia Wittburg (Liste).
Nach der Kommunalwahl 1970 wurde Karl Cherk Bürgervorsteher, trat aber Anfang 1971 zurück, nachdem ihm seine Fraktion im Zusammenhang mit der Affäre um den Bürgermeister Dr. Claus Winkler das Misstrauen ausgesprochen hatte. Dr. Winkler nahm sich das Leben, unter anderem, weil er sich für Karl Cherks Rücktritt verantwortlich gefühlt habe.[4]
Ab 1963 arbeitete und lebte der Schriftsteller Hansjörg Martin in Wedel und war als Ratsherr für die SPD aktiv. Nach der Kommunalwahl 1974 griff der Landesvorstand gegen Abweichler durch:
"In Pinneberg wurde gegen 14 Sozialdemokraten ein Verfahren eingeleitet. Diesen SPD-Mitgliedern wird vorgeworfen, eine Liste der DKP zur Kommunalwahl mit unterschrieben zu haben. Zu den Unterzeichnern gehört auch der ehemalige Wedeler Ratsherr und Kriminalautor Hansjörg Martin."[5]
Von 1955 bis zu seinem Tod am 19. November 1958 übte Heinrich Schacht (* 14. März 1886) das Amt des Bürgervorstehers aus - mit praktisch denselben Funktionen, die ihm vorher als Bürgermeister oblagen.
Stadtvertreterinnen waren auch in Wedel in der "ersten Stunde" nach der NS-Herrschaft seltene Wesen. Eine von ihnen war ab der Kommunalwahl 1951 Hanna Lucas.
Immerhin gehörte schon der ersten Stadtvertretung nach der NS-Herrschaft, gewählt am 26. September 1946, eine Frau an - die Sozialdemokratin Helmar Eydeler, die noch bis 1962 Ratsmitglied war.[6] Weiteres ist leider über sie bisher nicht ermittelt.
Bei der Kommunalwahl 1929 erhielt die SPD mit 46,0 % acht von 18 Sitzen. Gewählt wurden Carl Brauer sen, Pauline Bröker, Bendix Koopmann, August Kudlik, Bernhard Mahlow, Alfred Pauder, Heinrich Schacht und Adolf Schaller. Wilhelm Bock und Karl Behrens wurden als mögliche Nachrücker für zwei Gewählte genannt, sollten diese in das dreiköpfige Ratmannkollegium aufrücken.[7] Nur Genosse Schaller wurde jedoch zum Ratmann gewählt.[8] Möglicherweise handelt es sich dabei um einen Übermittlungsfehler und hätte Genosse Schacht heißen sollen, denn bei der Darstellung der letzten regulären Stadtverordnetensitzung, die am 30. Januar 1933 "im städtischen Gasthof von August Rösicke" stattfand, wurde Adolf Schaller als Stadtverordneter genannt, auch Wilhelm Bock und Karl Behrens, außerdem Heinrich Müller. Heinrich Schacht, Carl Brauer sen und Alfred Pauder kommen nicht mehr vor.[9] Die beiden Letzteren könnten aus anderen Gründen im Laufe der Wahlperiode ausgeschieden sein.
Bei der Kommunalwahl 1924 erhielt die SPD 34,0 %. Unter anderen kam Pauline Bröker - als zweite Frau überhaupt - in die Stadtvertretung, der sie bis 1933 angehörte.
Vor dem 1. Weltkrieg war auch der Arbeiter Heinrich Oelrich Stadtverordneter. Er kehrte aus dem Krieg nicht zurück, sondern starb noch nach Kriegsende in einem Feldlazarett an einer schweren Erkrankung.[10]
Bürgermeister*innen
Am 18. November 2024 fand erneut eine Bürgermeisterwahl statt. Claudia Wittburg wurde mit 19,8 % Dritte von vier Kandidierenden und verfehlte die Stichwahl.[11] Sie hatte sich im Februar 2016 schon einmal beworben, noch als Parteilose; damals reichten auch 45,6 % nicht für den Sieg.[12]
- Juni 1993-1999 - Der Verwaltungsbeamte Gerd Brockmann (* 23. Januar 1951 in Hamburg)
- 1. Juli 1983-8. Oktober 1992 - Der Jurist Jörg Balack (* 12. April 1941 in Berlin), vorher Kommunalpolitiker in Wedel, übte das Amt nach einer Wiederwahl zum 16. Februar 1989 bis zu seinem Tod aus. [13] Nach ihm ist eine kurze Straße, der Jörg-Balack-Weg, benannt, die sich als Fußweg an der Wedeler Au fortsetzt.
- 6. Juni 1946-1950 - Der Buchhalter Heinrich Schacht (ehrenamtlich). Er war schon vor der NS-Herrschaft Kommunalpolitiker gewesen und während der Aktion Gewitter ab 22. August 1944 im KZ Neuengamme eingesperrt worden.[14] Die Stadtvertretung beschloss am 3. April 1959, eine Straße nach ihm zu benennen.[15]
Geschichte
Kampf dem Atomtod
Die Initiative Kampf dem Atomtod gegen die Bewaffnung der Bundeswehr mit Atomwaffen fand auch in Wedel einige Unterstützung. Im örtlichen Arbeitsausschuss, am 16. April 1958 gebildet, arbeiteten mehrere Sozialdemokraten mit. Im Mai lud die Initiative zu einer Protestkundgebung auf den Marktplatz von Wedel-Schulau ein. Zu den 2500 Teilnehmer*innen sprach auch die stellvertretende Kreispräsidentin Hanna Lucas.
Drei Sozialdemokraten waren im Arbeitsausschuss vertreten; für alle brachte die weitere Entwicklung den Ausschluss aus der SPD wegen "parteischädigenden Verhaltens". Der langjährige Stadtvertreter Walter Pawellek, Otto Borchers und Eugen Schwarz fochten diese Entscheidung an, aber im Oktober 1959 wurde sie durch den Parteivorstand bestätigt.[16]
Friedrich-Ebert-Gedenkstein


Der bei Bauarbeiten für die Theodor-Johannsen-Siedlung Anfang der 1930er Jahre gefundene große Findling wurde von Wedeler SPD-Mitgliedern und Angehörigen der Eisernen Front mit eigener Kraft auf das Gelände des Arbeiter-Turn-und-Sportvereins (ATSV) in der Bergstraße gezogen. Aus ihm wurde ein Gedenkstein für den 1925 verstorbenen Reichspräsidenten Friedrich Ebert gestaltet. Der Bildhauer Hans Lissow meißelte Eberts Profil und die Inschrift: "Unserem großen Toten 1871 - 1925" in den Stein.
Der Gedenkstein musste von Anfang an vor den erstarkenden Nazis geschützt werden. Nach der Machtübernahme der Nazis 1933 wurde er laut Wedeler Polizeibericht von Mitgliedern der SA demoliert. Auch die im Sockel eingemauerten Dokumente wurden gestohlen. Sie sind bis heute nicht wieder aufgetaucht. Die Namen der Täter waren durch Augen- und Ohrenzeugen bekannt. Die von einem Wedeler Bürger erstattete Anzeige verlief jedoch im Sande, der NS-Bürgermeister ließ nicht ernsthaft ermitteln. Kein Täter wurde zur Rechenschaft gezogen.
Ein Wedeler Tiefbauunternehmen transportierte den Gedenkstein in die Bergstraße und vergrub ihn. Bereits im Oktober 1946 bemühten sich Wedeler SPD-Mitglieder darum, ihn auszugraben und wieder aufzustellen. Egon Lissow, der Sohn des Bildhauers Hans Lissow, gestaltete das Ebert-Porträt neu, der Stein erhielt auch eine veränderte Inschrift: "Friedrich Ebert, erster Reichspräsident 1919 - 1925". Am 14. Dezember 1947 wurde der Gedenkstein auf dem Rathausplatz wieder aufgestellt.[17]
Die Täter von 1933 kamen auch nach 1945 ungeschoren davon.[18]
In Schleswig-Holstein stehen außer in Wedel auch in Bad Bramstedt, Eutin, Itzehoe und Nortorf Gedenksteine für Friedrich Ebert.
Frauenrechte in Wedel
In der Zeit vor dem 1. Weltkrieg warb auch die Wedeler SPD immer wieder für das Frauenwahlrecht. Im Februar 1913 lud sie zu einer öffentlichen Frauenversammlung bei Gastwirt Holm ein. Ungefähr 60 Menschen kamen, laut Protokoll "ausschließlich dem Arbeiterstande angehörig". Die Versammlung wurde von Alfred Pauder eröffnet; ob es sich dabei um den damaligen Vorsitzenden handelte, ist nicht ermittelt. Die Versammlungsleitung übernahmen die Ehefrauen des Tischlers Wellnitz und des Arbeiters und Stadtverordneten Oelrich[19]. Referentin des Abends war Frau Paustian aus Ottensen, die zum Thema Wer nicht sät, kann auch nicht ernten eine "flammende" Rede für das Frauenwahlrecht hielt. Den Kern hielt Polizist Niemann im Protokoll so fest:
"Es sei jetzt an der Zeit, dass die Frau Rechte bekäme, sowohl im Staats- wie im Stadtparlament."[20]
Auch im Vorjahr, am 12. Mai 1912, einem Sonntagnachmittag, hatte es eine Versammlung zu diesem Thema gegeben. Rund "30 Personen beiderlei Geschlechts" – so das Polizeiprotokoll – kamen zur Rede des Herrn Saalfeld aus Hamburg zusammen. Weiter protokollierte der überwachende Polizeibeamte Niemann:
"Die zum Zwecke der Agitation für die Organisation der Frauen einberufene Versammlung endigte mit der Annahme einer Resolution für das Frauenwahlrecht. Als dann ließen sich 2 Frauen in die Organisation aufnehmen."[20]
Schon am 19. August 1910 begeisterte Wilhelmine Kähler eine Versammlung "im Lokale des Herrn Martin Struckmeier" in Wedel. Der trockene Vortragstitel Die Erhöhung der Zivilliste und der Arbeiterhaushalt diente, wie der überwachende Polizeisergeant feststellte, "lediglich zu Agitationszwecken". Einberufer der Versammlung war der Arbeiter Paul Herrmann; er hatte sie am Vortag bei der Polizeibehörde angemeldet. Eine Besonderheit versteckte sich im Kleingedruckten des Plakats, das im Wedeler Stadtarchiv erhalten ist: Man wollte vor allem die Frauen erreichen, die seit 1908 das Recht auf politische Betätigung besaßen.
Trotz - oder wegen - des späten Beginns um 20.30 Uhr, der Rücksicht nahm auf die langen Arbeitszeiten des Zielpublikums, kamen etwa 140 Menschen beiderlei Geschlechts zusammen. 28 von ihnen traten laut Polizeibericht noch am selben Abend in die SPD ein.[21]
Gedenkstein für Helma Steinbach
Als im Juni 1930 die Arbeitersiedlung des Kraftwerks Schulau eingeweiht wurde, enthüllte der Altonaer Oberbürgermeister Max Brauer, der auch Vorsitzender des Aufsichtsrates des Kraftwerks Unterelbe war, eine Bronzeplakette für Helma Steinbach. Die Altonaer Gewerkschafterin, Verfechterin des Genossenschaftswesens und SPD-Politikerin (1847–1918) hatte um die Wende zum 20. Jahrhundert die Arbeiterinnen der Schulauer Zuckerfabrik, "die unter schlechtesten Arbeitsbedingungen und geringsten Löhnen ein menschenunwürdiges Arbeitsleben führten", organisiert und mit ihnen die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen und Löhne erkämpft.[22] Louise Schroeder charakterisierte sie in ihrer Rede als Vorkämpferin für die Sozialpolitik Deutschlands und darüber hinaus als vehemente Verfechterin der Staatsbürgerrechte von Frauen. Ihr Lebenspartner war Adolph von Elm.
Die Gedenkplakette am ersten Gebäude der Milichstraße wurde vom Bildhauer Professor August Henneberger geschaffen und zeigt die Gesichtszüge dieser bedeutenden Frau. Der Bildhauer erneuerte um 1951 das Bronzerelief – ein Hinweis darauf, dass das Original die NS-Herrschaft und den 2. Weltkrieg nicht unbeschadet überstanden hatte.[23]
Die Produktion
Auch in Wedel gab es Läden des Konsum, allerdings lag die Stadt im Einzugsbereich der Hamburger Konsumgenossenschaft 'Produktion'. Die Ausbreitung nach Wedel wurde nicht begrüßt:
"So hagelte es 1905 Proteste der Schulauer und Wedeler Kaufleute, als der Konsumverein "Produktion" einen Grunderwerb in Wedel, Rosengarten, tätigte, um dort einen Konsumladen zu eröffnen. Man fürchtete Verkaufseinbußen und die möglicherweise durch den Konsumverein angedachte Neubebauung. Doch diese Proteste konnten die Entwicklung der Konsum-Läden in Wedel nicht aufhalten. Das erste Ladengeschäft der Produktion in Wedel wurde im Rosengarten 3 eröffnet und das Grundstück 1910 durch die Produktion erworben. Dem folgte eine Ladeneröffnung am Rollberg 3 und 1928 die Einweihung eines Geschäftes am Kronskamp [56].
Alle Läden der Produktionsgenossenschaft wurden nach 1933 eingestellt und die Grundstücke enteignet."[24]
Leider erläutern die Autorinnen weder, worin das Besondere der Konsumgenossenschaften lag, weshalb also die Händler sich durch die neue Konkurrenz bedroht fühlten, noch den Hintergrund der lapidaren Feststellung, die Läden seien "eingestellt und die Grundstücke enteignet" worden. Das ursprüngliche Geschäft am Rosengarten scheint es um 1930 schon nicht mehr gegeben zu haben.[25]
Arbeitersport in Wedel
Auch die Wedeler Arbeiterbewegung gründete einen eigenen Sportverein, den Arbeiter-Turn- und Sportverein Eintracht Wedel (ATSV). Wann, ist noch nicht ermittelt, es muss jedoch vor dem 1. Weltkrieg gewesen sein, denn er setzte 14 als Soldaten gestorbenen Turnkameraden einen Gedenkstein. Nach dem 2. Weltkrieg, wohl in den 1950er Jahren, schloss er sich mit dem Turn- und Sportverein Wedel zusammen. 1963 feierte der gemeinsame Verein sein einhundertjähriges Bestehen.[26]
Fahne
Die Traditionsfahne des Ortsvereins aus den 1920er Jahren wird 1975 in einem Artikel in "Wir" erwähnt.[27] Die Fahne ist weiterhin gut erhalten im Besitz des Ortsvereins.
Archive
- Stadtarchiv Wedel: Gremienprotokolle der Stadt Wedel 1867-1948
- Meldepflicht für Mitglieder von SPD und KPD, B 1, 2/20
Literatur
- Heinsohn, Kirsten/Rannegger, Anke: 1875–2000 - 125 Jahre Stadtrechte Wedel: Frauen in der Öffentlichkeit (Hg. Stadt Wedel, Eigendruck, Wedel 2000)
- Pieper, Christine: Widerstand in Wedel (Hg. Stiftung zur Förderung von Kunst und Kultur der Stadt
Wedel, Dölling und Galitz Verlag GmbH, Regensburg 1998)
Links
- SPD Wedel: Homepage
Einzelnachweise
- ↑ Hamburger Echo, 16.3.1928
- ↑ SPD Wedel: Einer von uns ist gegangen: Lothar Kassemek, Homepage, 22.1.2026
- ↑ Der Landeswahlleiter: Gemeindewahlen 14. Mai 2023, Wedel. Amtliches Endergebnis
- ↑ Wikipedia: Claus Winkler (Politiker), abgerufen 30.1.2026
- ↑ Burchardt, Rainer: Angeln nach einem Kandidaten, DIE ZEIT Nr. 17/1974
- ↑ Stadt Wedel: September 1946 – Politischer Neubeginn, abgerufen 28.1.2026
- ↑ Der sozialdemokratische Fortschritt in Wedel, Hamburger Echo, 21.11.1929, Seite 6
- ↑ Stadtverordnetensitzung in Wedel, Hamburger Echo, 14.12.1929, Seite 6
- ↑ Stadt Wedel: Januar 1933 – Eine Stadtvertretersitzung mit entsicherter Waffe?, abgerufen 30.1.2026
- ↑ Stadt Wedel: November 1918 – Zwischen Kriegsanleihen und Soldatenräten, abgerufen 29.1.2026
- ↑ SPD Wedel: Ein enttäuschendes Ergebnis, Homepage, abgerufen 30.1.2026
- ↑ gabriel: Knapper Sieg für Niels Schmidt, Uetersener Nachrichten, 29.2.2016 (Bezahlschranke)
- ↑ Stadt Wedel: Bürgermeister der Stadt Wedel, abgerufen 30.1.2026
- ↑ Albert, Björn / Büttner, Matthias / Just, Franziska / Sander, Myriam / Schöttner, Christoph: Der rote Vorposten Hamburgs. Widerstand in Wedel, in: Demokratische Geschichte 12 (1999), S. 83
- ↑ Stadt Wedel: Bürgermeister der Stadt Wedel, abgerufen 30.1.2026
- ↑ Stadt Wedel: Kampf dem Atomtod, abgerufen 30.1.2026. Dort auch weitere biografische Angaben.
- ↑ Urkunde der SPD Wedel zur Übergabe des Friedrich-Ebert-Gedenksteins, Stadtarchiv Wedel, B 1, 162.6
- ↑ Bitterling, Thies: Der Friedrich-Ebert-Stein - von der SA demoliert, vergraben und 1947 wieder aufgestellt - eine Spurensuche. Stadt Wedel, Denkmäler
- ↑ Wohl die Ehefrau von Heinrich Oelrich (s.o.).
- ↑ 20,0 20,1 Heinsohn, Kirsten/Rannegger, Anke: 1875–2000 - 125 Jahre Stadtrechte Wedel: Frauen in der Öffentlichkeit (Hg. Stadt Wedel, Eigendruck, Wedel 2000), S. 8
- ↑ Bitterling, Thies (Stadtarchiv Wedel): Wilhelmine Kähler - Eine mitreißende Frau, scrollen bis etwa zur Hälfte der Seite.
- ↑ Wikipedia: Helma Steinbach, abgerufen 23.1.2021
- ↑ Stadt Wedel: Erinnerungsplakette für Helma Steinbach, abgerufen 23.1.2021
- ↑ Stadt Wedel (Hg.): Zigarren unterm Bett - Frauen und ihre Stubenläden in Schulau (Wedel 2001), S. 5
- ↑ Stadt Wedel (Hg.): Zigarren unterm Bett - Frauen und ihre Stubenläden in Schulau (Wedel 2001), S. 20
- ↑ Denkmäler in Wedel - Denkmale der Sportvereine, abgerufen 23.1.2021
- ↑ Vollert, Jens: Wedel: Wahlkampf non stop. In: WIR, Nr. 10/1975, Seite 10
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