Frauen- und Gleichstellungspolitik

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Plakat "Heraus mit dem Frauenwahlrecht - Frauen-Tag", 8. März 1914
  • 1867 - Die Leiterin des Hamburger Frauenvereins, Frau Hetzel, versuchte auch in Schleswig-Holstein Frauen zusammenzuführen, doch kam es nur in Preetz, unter der Leitung von der Arbeitsfrau Adamina Quisdorf zu einer Frauengruppe.[1][2]
  • 1869 - Das Eisenacher Programm der SDAP fordert die Einschränkung der Frauenarbeit
  • 1875 - Das Gothaer Programm fordert das Verbot aller die "Gesundheit und Sittlichkeit schädigenden Frauenarbeit".
  • 1879 - August Bebel veröffentlicht "Die Frau und der Sozialismus"
  • 1882 - Aus den "Vertrauensmännern" in der SPD werden die Vertrauenspersonen - sie ermöglichen es Frauen, sich trotz des Verbots zu organisieren.
  • 1891 - In ihrem Erfurter Programm fordert die SPD: "Abschaffung aller Gesetze, welche die Frau in öffentlich- und privatrechtlicher Beziehung gegenüber dem Manne benachteiligen."
  • 1892 - Im Januar verfügt der Regierungspräsident in Schleswig-Holstein: "…daß nach einer Entschiedung des Oberverwaltungsgerichts vom 1. Oktober 1890 den Zusammenkünften der dem §8 des Vereinsgesetzes vom 11. Mai 1850 unterliegenden Vereine Frauen auch dann nicht beiwohnen dürfen, wenn die Zusammenkünfte anderen Zwecken als den politischen Erörterungen dienen soll. Die Abhaltung von Bällen und anderen Vergnügungen mit Frauen komme daher für diese Vereine überhaupt nicht in Frage." Feiern von politischen Vereinen, an denen auch Frauen teilnahmen seien polizeilich aufzulösen. Als der Arbeiterbildungsverein Ellerbek Anfang 1892 sein Stiftungsfest feiern wollte, drohte das Verbot. Der Vorstand meldete daraufhin ein "Männerkränzchen" an. Die Frauen saßen während der Feier im Saal nebenan. Zunächst wollte die Polizei sie auch dort vertreiben, unterließ dies aber.[3]
  • 1891 - Das Erfurter Programm fordert die "Abschaffung aller Gesetze, welche die Frau in öffentlich- und privatrechtlicher Beziehung gegenüber dem Manne benachteiligen".
  • 1893 - Gründung des Bildungsvereins der Frauen und Mädchen Kiels. Nach einem ersten Aufschwung versandeten die Aktivitäten aber bald, da sich die Frauen mit keinen politischen Themen befassen durften, die sie eigentlich interessierten.[4]
  • 1902 - Frauen dürfen an Versammlungen politischer Vereine teilnehmen - Allerdings nur als Zuhörerinnen und nur in einem abgetrennten Raum. Doch zum Beispiel in Kiel stellt sich die Polizei noch an: Bei einer Versammlung im "Elysium" sitzen die Frauen auf der Galerie. Die Veranstaltung wird daraufhin polizeilich aufgelöst. Erst nach einer Beschwerde über das Verhalten der Polizei dürfen auch in Kiel Genossinnen an Versammlungen teilnehmen.[5]
  • 1908 - Frauen dürfen Mitglieder in Vereinen werden und sich politisch engagieren. Am 1. Oktober 1908 treten allein in Kiel 700 Frauen, die sich bisher nur durch freiwillige Zahlungen zur Sozialdemokratie bekennen konnten in die SPD ein[6] Luise Zietz wird die erste Frau im SPD-Parteivorstand.
  • 1909 - Der Bezirksparteitag 1909, Wandsbek beschließt, dass mindestens eine Frau muss Beisitzerin im Landesvorstand sein muss:

    "Die Agitationskommission besteht aus einem besoldeten Beamten, der auch die Kassengeschäfte zu führen hat, einem Vertreter der Parteizeitung und 5 Beisitzern, unter welchen mindestens eine Genossin sein muss."[7]

  • 1912 - Am 12. Mai beschloss die SPD Elmshorn eine Resolution:

    "Die Forderung des Frauenrechts findet ihre beste Begründung in der Revolutionierung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse durch den Kapitalismus. Die Leistungen der Frauen in Industrie und Landwirtschaft, im Handel und Verkehrswesen, die Pflichten, die sie erfüllen als Mütter und Hausfrauen, geben ihnen einen berechtigten Anspruch auf soziale und politische Gleichberechtigung. Die Frauen fordern das Wahlrecht, um ihre Interessen selbst schützen zu können. Die am 12.Mai in Elmshorn Versammelten erklären deshalb, daß sie sich zur Erringung des Frauenwahlrechts in die Reihen der Sozialdemokratie stellen wollen und mit Energie und Ausdauer für die Erringung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts zu allen öffentlichen, rechtlichen und politischen Vertretungskörpern für die über 20 Jahre alten Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts zu kämpfen. Die Sozialdemokratische Partei ist die einzige politische Partei, die als konsequente Verkämpferin für das volle Bürgerrecht des Weibes anzusprechen ist."[8]

  • 1918 - Das Frauenwahlrecht wird in Deutschland gesetzlich verankert.
  • 1919 - 37 Frauen in die Weimarer Nationalversammlung gewählt, darunter 19 Sozialdemokratinnen - zum Beispiel Louise Schroeder.
  • 1921 - Das Görlitzer Programm fordert das Verbot der Nachtarbeit für Frauen und das Verbot der Arbeit von Frauenin besonders gesundheitsschädlichen Betrieben sowie an Maschinen mit besonderer Unfallgefahr. Es betonte das allgemeine Recht der Frauen auf Erwerb und forderte die "Mitwirkung der Frauen in allen Justizämtern"
  • 1925 - Alma Wartenberg sitzt als einzige Frau im schleswig-holsteinischen Provinziallandtag. Das Heidelberger Programm fordert die "Gleichstellung der Frau mit dem Manne", "gleiches Recht der Frauen auf Erwerbsarbeit".
  • 1927 - Reichsparteitag 1927 in Kiel: Otto Eggerstedt sagt in seiner Eröffnungsrede: "Unsere Bewegung, die die Gleichberechtigung aller Menschen erstrebt, ist nie einseitig eine Bewegung der Männer gewesen; sie hat immer im gleichen Maße auch die Frauen erfaßt. Gerade bei uns wird die Bewegung getragen von der ganzen Familie. Die Frauen sind erfaßt, und durch die Frauen die Kinder. In den Frauen haben wir erfaßt die Mütter, die Bildner der Jugend;"[9] Im Anschluss an den Parteitag fand vom 27.-29. Mai die Frauenkonferenz statt.
  • 1949 - Elisabeth Selbert schaffte mit Artikel 3 des Grundgesetzes einen Durchbruch. Schnörkellos heißt es dort: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt." Ohne jede Einschränkung, ohne einen Gesetzesvorbehalt. Einige Verfassungsjuristen vermuteten, dass dieser Artikel weitreichende Wirkungen auslösen würde. "Wenn das sofort gilt, dann können wir unser BGB in die Tonne kloppen", raunte man unter den Familienrechtlern; im Familienrecht des BGB existierten die deutlichsten Beschränkungen der Frauenrechte.[10]
  • 1959 - Das Godesberger Programm bekräftigt rechtliche, soziale und wirtschaftliche Gleichstellung der Frauen: "Die Gleichberechtigung der Frau muß rechtlich, sozial und wirtschaftlich verwirklicht werden. Der Frau müssen die gleichen Möglichkeiten für Erziehung und Ausbildung, für Berufswahl, Berufsausübung und Entlohnung geboten werden wie dem Mann. Gleichberechtigung soll die Beachtung der psychologischen und biologischen Eigenarten der Frau nicht aufheben. Hausfrauenarbeit muß als Berufsarbeit anerkannt werden. Hausfrauen und Mütter bedürfen besonderer Hilfe. Mütter von vorschulpflichtigen und schulpflichtigen Kindern dürfen nicht genötigt sein, aus wirtschaftlichen Gründen einem Erwerb nachzugehen."[11]
  • 1965 - Im Rechenschaftsbericht der SPD Schleswig-Holstein für die Jahre 1965/66 heißt es, dass der Frauenanteil zur dieser Zeit bei 25% lag und damit nach Berlin und Hamburg an dritter Stelle. Rosa Wallbaum, Referentin für Frauenarbeit im Landesverband analysierte:

    "Wenn aber der Überschuss von 134200 wahlberechtigten Frauen in Betracht gezogen wird, so erhebt sich die begründete Frage, waum die SPD, die seit ihrem bestehen für eine Gesellschaftsordnung eingetreten ist, in der Frauen gleichberechtigt sind, nicht eigentlich eine "Frauenpartei" ist. Liegt es nur daran, daß auch heute noch die meisten Frauen eine Scheu besitzen, sich politisch zu engagieren, oder wurde bisher nicht verstanden, allen Staatsbürgern, auch den Frauen, bewußt zu machen, daß politisches Interesse und parteipolitische Betätigung zu den wichtigsten Aufgaben der gesellschaft zählen?
    Sicher wirkt sich auch hier die vergangenheit negativ aus. Die Hoffnung muß auf die jüngere Generation gesetz werden. Hier liegen die Ansatzpunkte für die Arbeit in den Frauengruppen nicht einem Selbstzweck dienen. Es ist festzustellen, daß viele jüngere Frauen der Partei beitreten, um im Ortsverein mitzuarbeiten, es aber ablehnen, sich ebenfalls in der Frauengruppe zu betätigen. In mehreren aktiven Ortsvereinen bestehen keine Frauengruppen, weil die Frauen in die allgemeine Arbeit des Ortsvereins integriert sind.
    Das ist seit jeher das Ziel der Frauengruppenarbeit gewesen!
    Es haben verschiedene Gründe zur Bildung besonderer Frauengruppen geführt und sicher haben einige auch heute noch Gültigkeit. Es gibt sowohl im familiären wie im gesellschaftlichen Bereich kaum Probleme, die ausschließlich Frauen betreffen, sondern lediglich Differenzierungen. Im allgemeinen gehen die Frauen auch an 'die Politik' anders heran als die Männer es seit Generationen zu tun gewohnt sind. Frauen sind eher bereit, im internen Kreis von Frauen ihre Meinung zu äußern. Hier erwerben sie die Sicherheit, sich auch in einer Versammlung des Ortsvereins an der Diskussion zu beteiligen.
    Wenn wir heute, wie vor 60 Jahren für den Bestand der Frauengruppen eintreten, wenn wir sie pflegen und nach Bedarf neue gründen, dann geschieht es in der Überzeugung, daß auch heute noch viele weibliche Parteimitglieder die Unterstützung durch die Frauengruppen brauchen.
    Wie auch immer sich die Frauen künftig politisch entscheiden und engagieren, wird von der Umwelt - sprich: Männer, beeinflußt werden. Es ist leider nicht so, daß alle Frauen sich der Gleichberechtigung voll bewußt sind. In der SPD sind Männer und Frauen gleichermaßen verpflichtet, vorbildlich zu handeln und aufklärend zu wirken."[12]

  • 1969 - Anny Trapp wird Kreispräsidentin im Kreis Eutin - die einzige Frau und die einzige Sozialdemokratin in Schleswig-Holstein zu dieser Zeit.
  • 1970 - Die Ratsversammlung in Kiel wählt Ida Hinz zur bundesweit ersten weiblichen Stadtpräsidentin. Am 10. Januar 1970 wird die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) in Schleswig-Holstein gegründet. Zur ersten Vorsitzenden wird Elisabeth Orth gewählt.[13] Die SPD-Regierung von Willy Brandt sorgt dafür, dass Frauen das Sorgerecht für nichteheliche Kinder erhalten.[14]
  • 1972 - Annemarie Renger wird die erste weibliche Bundestagspräsidentin - sie war bis 1969 über die schleswig-holsteinische Landesliste in den Bundestag eingezogen. Im gleichen Jahr wird die Gründung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) auf Bundesebene beschlossen.[15]
  • 1973 - 1. AsF-Bundeskonferenz[16]
  • 1979 - Annemarie Renger wird sozialdemokratische Kandidatin für das Amt des Bundespräsidentin - die erste weibliche Kandidatin. Gewählt wird der CDU-Kandidat Karl Carstens.
  • 1981 - Der Landesparteitag 1981, Bad Segeberg beschließt Politische Leitsätze zur Gleichstellung von Männern und Frauen
  • 1983 - Björn Engholm präsentiert zur Landtagswahl 1983 ein Team aus vier Männern und vier Frauen. Die Frauen sind unter anderem Ursula Engelen-Kefer und die Journalistin Sophie Behr[17]. Nach der Wahl wir Lianne-Maren Paulina-Mürl die erste weibliche, stellvertretende Landesvorsitzende.
  • 1984 - Das SPD-Frauenbüro Schleswig-Holstein wird eingerichtet, weil sich die CDU-Regierung weigert, eine ordentliche Frauenbeauftragte einzusetzen.
  • 1985 - Die SPD Schleswig-Holstein beschließt die Geschlechterquote.
  • 1988 - Nach 38 Jahren Opposition übernimmt die SPD die Regierung. Ministerpräsident Björn Engholm quotiert sein Kabinett. Vier Ministerien werden von Frauen geführt - das ist damals bundesweit einmalig. Neu ist auch das Frauenministerium von Gisela Böhrk.[18] In seiner Regierungserklärung sagte Ministerpräsident Björn Engholm: "Die Gleichstellung der Frauen ist kein politisches Entgegenkommen der Politik an die Frauen, sondern eine historisch überfällige Selbstverständlichkeit." Herta Däubler-Gmelin wird erste stellvertretende SPD-Parteivorsitzende.
  • 1989 - Das Berliner Programm ist das erste SPD Grundsatzprogramm, in dem der Gleichstellung ein ganzes Kapitel gewidmet ist und das Thema nicht mit Familie, Kindern oder Jugendlichen verknüpft ist: "Wir wollen eine Gesellschaft, in der Frauen und Männer gleich, frei und solidarisch miteinander leben. Wir wollen eine Gesellschaft, in der Frauen und Männer nach eigener Wahl in allen Bereichen der Gesellschaft wirken, ihnen nach Haus-, Familien- und Erwerbsarbeit Zeit und Kraft bleibt für Bildung, Kunst, Sport oder gesellschaftliches Engagement. Wir wollen eine Gesellschaft, die nicht mehr gespalten ist in Menschen mit angeblich weiblichen und angeblich männlichen Denk- und Verhaltensweisen, in der nicht mehr hochbewertete Erwerbsarbeit Männern zugeordnet, unterbewertete Haus- und Familienarbeit Frauen überlassen wird, in der nicht mehr eine Hälfte der Menschen dazu erzogen wird, über die andere zu dominieren, die andere dazu, sich unterzuordnen. Immer noch ist die herrschende Kultur männlich geprägt, st das Verfassungsgebot der gesellschaftli-chen Gleichheit von Mann und Frau nicht verwirklicht, sind Frauen stärker von Armut betroffen, werden Frauen in Ausbildung und Beruf benachteiligt, werden sie in Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst, in Politik und Medien zurückgesetzt, wird ihnen der private Bereich, Hausarbeit und Kindererziehung zugewiesen, wird die Rolle, die Frauen in der Geschichte spielten, unterschlagen oder verfälscht, werden Zeitabläufe und Organisationsformen von Erwerbsarbeit und ehrenamtlicher Tätigkeit durch männliche Bedürfnisse bestimmt, werden Frauen Opfer männlicher Gewalt, wird ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung mißachtet. Doch das Bewußtsein der Frauen ändert sich rasch. Schmerzhafter als die meisten Männer erfahren sie, daß beide, Frau und Mann, ständig einen Teil ihrer Wünsche, Möglichkeiten und Fähigkeiten unterdrücken. Viele Frauen gehen an gegen eine von Männern gestaltete Welt und gegen Männer, die diese erhalten wollen. Auch bei Männern wächst die Einsicht, daß die angeblich männliche Unterordnung von Gefühl und Phantasie unter Rationalität und Durchsetzungskraft sie ärmer oder gar krank macht. Unter der Spaltung zwischen männlicher und weiblicher Welt leiden beide, Frauen und Männer. Sie deformiert beide, entfremdet beide einander. Diese Spaltung wollen wir überwinden. Wir fangen bei uns selbst an. Der rechtlichen Gleichstellung muß die gesellschaftliche folgen. Dies bedeutet nicht die Integration der Frau in eine Männerwelt, sondern die Umgestaltung der Gesellschaft. Erziehung soll junge Menschen auf diese Gesellschaft vorbereiten. Sie muß helfen, die Spaltung in eine männliche und eine weibliche Welt zu überwinden und die starren Rollenmuster zu durchbrechen, die diese Spaltung immer neu verfestigen. Wir müssen die Arbeit neu bewerten und anders verteilen. Wer nicht nur Erwerbsarbeit, sondern auch Haus-, Familien- und Eigenarbeit gerecht verteilen will, muß vorrangig die tägliche Arbeitszeit verkürzen. Wir erstreben als Regel zunächst den sechsstündigen Arbeitstag in der Fünf-Tage-Woche, damit Frauen und Männer Erwerbsarbeit, Haus- und Familienarbeit, ehrenamtliche Tätigkeit und kulturelle Teilhabe besser miteinander verbinden können. Wir brauchen ein Gleichstellungsgesetz, ein Ende der Lohndiskriminierung, Förderpläne für Frauen im Beruf, Gleichstellung im Sozialversicherungs- und Beamtenrecht durch eigenständige Ansprüche und Hilfen für die Wiedereingliederung in den Beruf. Mutterschutz, Ausfallzeiten für Elternurlaub und Krankenpflege müssen über einen Familienlastenausgleich finanziert werden, damit nicht Sonderlasten für Einzelbetriebe zum Arbeitsplatzrisiko für Frauen werden. Öffentliche Finanzhilfen und Aufträge müssen davon abhängig gemacht werden, daß Gleichstellung verwirklicht ist. Kindertagesstätten und Ganztagsschulen gehören zu den Voraussetzungen dafür, daß Erwerbs- und Familienarbeit für Männer und Frauen vereinbar werden. Neue Wohnformen, dezentrale soziale Dienste für Kinder und Alte, Kranke und Behinderte sollen helfen, Familienarbeit aus ihrer Isolierung zu lösen. Bei ehrenamtlichen Tätigkeiten in Parteien, Gewerkschaften, Vereinen und Verbänden, als Laienrichterinnen, Aufsichtsratsmit-glieder oder Elternvertreterinnen müssen Frauen die gleichen Beteiligungsmöglich-keiten haben wie Männer. In allen Gremien sollen Frauen und Männer je zur Hälfte vertreten sein; wo Überzeugungsarbeit dies nicht erreicht, sind gesetzliche Vorschriften nötig. Zur Gleichstellung in der Politik kann es notwendig werden. Wahlsysteme in Bund, Ländern und Gemeinden zu ändern. Die Zukunft verlangt von uns allen, Frauen und Männern, vieles, was lange als weiblich galt; wir müssen uns in andere einfühlen, auf sie eingehen, unerwartete Schwierigkeiten mit Phantasie meistern, vor allem aber partnerschaftlich mit anderen arbeiten. Wer die menschliche Gesellschaft will, muß die männliche überwinden."
  • 1990 - Der Rechenschaftsbericht erklärt: "Erfreulich ist, daß der Anteil der Frauen an der Mitgliedschaft weiter gesteigert werden konnte. Betrug der Frauenanteil zum 01.01.1988 30,68 Prozent (absolut: 11 627), stieg er auf 31,21 Prozent zum 01.01.1989 (absolut: 12 038) und beträgt nunmehr zum 01.01.1991 32,33 Prozent (absolut: 12 541)."[19]
  • 1993 - Heide Simonis setzt sich in einem internen Machtkampf gegen Norbert Gansel durch und wird als Nachfolgerin des zurückgetretenen Björn Engholm Deutschlands erste weibliche Ministerpräsidentin. Für lange Zeit bleibt sie die einzige.
  • 1994 - Gleichstellungsgesetz Schleswig-Holstein. Mit Cornelie Sonntag-Wolgast wir erstmals eine Frau Spitzenkandidatin der Liste zur Bundestagswahl.
  • 1996 - Nach der Landtagswahl 1996 werden die Koalitionsverhandlungen sowohl auf Seiten der SPD als auch von den Grünen von jeweils zwei Frauen geleitet.
  • 1999 - Wählerinneninitiative "Heide hats" - Starke Frauen für Heide Simonis zur Landtagswahl 2000.
  • 2000 - Der Regierung von Heide Simonis gehören erstmals in Deutschland mehr Frauen als Männer an.
  • 2011 - Die SPD Schleswig-Holstein beschließt das Reißverschlussverfahren für Listenaufstellungen.
  • 2015 - Der Landesparteitag 2015, Neumünster wählt mit Bettina Hagedorn und Christiane Küchenhof zum ersten Mal zwei weibliche stellvertretende Vorsitzende. Zum ersten Mal sind im gesamten Landesvorstand mehr Frauen als Männer.
  • 2017 - Auf dem Landesparteitag in Lübeck kandidiert Karin Thissen auf der Liste zur Bundestagswahl gegen Matthias Ilgen und gewinnt den Platz, der laut Reißverschluss ein Männerplatz ist. Die Landtagsfraktion wählt nach der Landtagswahl eine Frau als Parlamentarische Geschäftsführerin, eine als Landtagsvizepräsidentin und als Sprecherin von vier von sieben Arbeitskreisen.

Fotos

Literatur

Quelle

  1. Osterroth, Franz: 100 Jahre Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein. Ein geschichtlicher Überblick (Kiel o. J. [1963])
  2. Döll-Krämer, Inge / Krämer, Gerd / Vesper, Ingrid: "Sozialdemokratische Frauens- und Vertrauenspersonen in Altona vor 1914, Demokratischen Geschichte, Band 7
  3. Brecour, Wilhelm: Die Sozialdemokratische Partei in Kiel. Ihre geschichtliche Entwicklung (Kiel o. J. [1932]) (Neudruck in Zur Geschichte der Kieler Arbeiterbewegung, Kiel 1983)
  4. Brecour, Wilhelm: Die Sozialdemokratische Partei in Kiel. Ihre geschichtliche Entwicklung (Kiel o. J. [1932]) (Neudruck in Zur Geschichte der Kieler Arbeiterbewegung, Kiel 1983)
  5. Brecour, Wilhelm: Die Sozialdemokratische Partei in Kiel. Ihre geschichtliche Entwicklung (Kiel o. J. [1932]) (Neudruck in Zur Geschichte der Kieler Arbeiterbewegung, Kiel 1983)
  6. Brecour, Wilhelm: Die Sozialdemokratische Partei in Kiel. Ihre geschichtliche Entwicklung (Kiel o. J. [1932]) (Neudruck in Zur Geschichte der Kieler Arbeiterbewegung, Kiel 1983)
  7. SPD-Ortsverein Elmshorn: 120 Jahre SPD Elmshorn. Eine Chronik (Elmshorn 1983)
  8. SPD-Ortsverein Elmshorn: 120 Jahre SPD Elmshorn. Eine Chronik (Elmshorn 1983)
  9. Protokoll des Parteitags
  10. Wettig-Danielmeier, Inge: Vor 40 Jahren: Eva Rühmkorf wird Deutschlands erste Gleichstellungsbeauftragte, 1. Januar 2019
  11. Godesberger Programm, Beschlossen vom Außerordentlichen Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Bad Godesberg vom 13. bis 15. November 1959
  12. Rechenschaftsbericht 1965-1966
  13. Rechenschaftsbericht 1969-1971
  14. Faerber-Husemann, Renate: Von August Bebel bis heute: Die SPD ist die Partei der Frauenrechte, 17. Dezember 2018
  15. Wettig-Danielmeier, Inge: Vor 40 Jahren: Eva Rühmkorf wird Deutschlands erste Gleichstellungsbeauftragte, 1. Januar 2019
  16. Wettig-Danielmeier, Inge: Vor 40 Jahren: Eva Rühmkorf wird Deutschlands erste Gleichstellungsbeauftragte, 1. Januar 2019
  17. DER SPIEGEL 10/1983: Quer zum Kurs
  18. Engholms Viererbande In: DIE ZEIT 20.5.1988
  19. SPD Schleswig-Holstein - Rechenschaftsbericht 1989-1990