Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED. Otto Grotewohl (Mitte) und Wilhelm Pieck reichen sich die Hand. Rechts Walter Ulbricht.
Zunächst auf Orts- und Kreisebene entwickeln sich nach den Vorgaben der Alliierten wieder politische Strukturen. In Schleswig-Holstein gründen sich zahlreiche SPD-Ortsvereine wieder oder neu. Im September findet eine erste Kommunalwahl statt.
Der Partei-Patriarch Kurt Schumacher lehnt Anfang des Jahres in einem Presseinterview eine Vereinigung der SPD und der KPD ab, auf die im sowjetischen Sektor hingesteuert wird, ebenso gemeinsame Listen für die bevorstehenden Kommunalwahlen. Entsprechende Beschlüsse fassen die SPD-Gremien in der britischen und amerikanischen Zone. Zwei Wochen später, am 27. Januar, konstituiert sich das "Büro Dr. Schumacher", die inoffizielle Zentrale der SPD in Hannover, neu als "Büro der Westzonen" der SPD. Die aus der Emigration zurückgekehrten Erich Ollenhauer und Fritz Heine nehmen ihre Arbeit dort auf.
In der sowjetischen Besatzungszone werden SPD und KPD am 21./22. April zur Sozialistischen Einheitspartei (SED) zwangsvereinigt.
Im Prozess des Internationalen Militärgerichtshofes gegen die 24 als Hauptkriegsverbrecher angesehenen Nationalsozialisten in Nürnberg wird am 1. Oktober das Urteil verkündet. Ihm folgen 12 weitere Prozesse gegen Gruppen (etwa Ärzte), die an den NS-Verbrechen beteiligt waren.
Die Vereinten Nationen (United Nations Organization - UNO) nehmen mit 51 Gründungsmitgliedern ihre Arbeit auf.
Januar
Paul Lohmann kehrt aus der Kriegsgefangenschaft nach Neumünster zurück und tritt erneut in die SPD ein.
Der OV Klein-Nordende wird (vermutlich) gegründet. Zumindest finden die ersten bekannten Eintritte in diesem Monat statt. Vorsitzender wird Paul Kuhs. Den Fraktionsvorsitz in der Gemeindevertretung übernimmt - für die nächsten 36 Jahre - Theodor Mohr.
13. März - Agnes Nielsen muss sich entscheiden zwischen ihrem Landtagsmandat für die KPD und ihrer Tätigkeit als Regierungsrätin im Amt für Volkswohlfahrt. Sie legt ihr Mandat nieder.
31. März - In der Nacht auf den 1. April wird in Kiel eine Ausstellung mit Zeichnungen von Richard Grune über seine KZ-Haft von Unbekannten verwüstet und die Bilder gezielt zerstört.
April
Titelseite der Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung vom 21.6.1946
16. April - Die Gemeindevertretung von Bad Bramstedt beschließt die Wiedererrichtung des von Nazis zerstörten Friedrich-Ebert-Gedenksteins und verpflichtet 11 (namentlich genannte) Täter, einen neuen Findling zu beschaffen und die Kosten für die Herrichtung der Anlage zu tragen.
19.+20. April - Zwangsvereinigung in der Sowjetzone: Unter massivem Druck der sowjetischen Besatzungsbehörden beschließen Ost-SPD und KPD in Berlin den Zusammenschluss zur Sozialistischen Einheitspartei (SED).
23. April - Die Militärregierung erklärt Schleswig-Holstein zum eigenständigen Land.
9.-11. Mai - Erster Gesamtparteitag der SPD nach Ende der NS-Herrschaft in Hannover, der sich in einer "Kundgebung" für die nationale Einheit Deutschlands wie auch für eine demokratische und sozialistische Föderation europäischer Staaten einsetzt und die Politik im Osten als Auslieferung der SPD an die KPD verurteilt. Vom Bezirksverband Schleswig-Holstein nehmen 23 Delegierte teil. Andreas Gayk wird in den 25-köpfigen Parteivorstand gewählt. Als Gast aus Schweden ist auch Willy Brandt dabei.
29. Mai - SPD-Kundgebung auf dem Wilhelmplatz in Kiel mit einer Rede des Parteivorsitzenden Kurt Schumacher mit dem Titel Was wird aus Deutschland?, in der er sich gegen die Zusammenarbeit mit der KPD, aber auch gegen die Bevormundung durch die Militärregierung wendet.
13. Juni - OberbürgermeisterAndreas Gayk führt eine Demonstration gegen die Demontagen in Kiel an und verhindert die Sprengung der für die Produktion zentralen Schiffbauhellinge der Germania-Werft.
19. Juni - Der Bezirksvorstand fasst einen Beschluss für ein ungeteiltes Schleswig-Holstein, für ein einheitliches Deutschland und ein vereinigtes Europa, der quer zu Bestrebungen in der SPD Flensburg liegt, Flensburg zu Dänemark zu bringen.
Die dänisch gesinnten Mitglieder um Bürgermeister Hermann Clausen verlassen den OV Schleswig, weil die Parteiführung die Unvereinbarkeit mit der Mitgliedschaft im Schleswigschen Verein, der Organisation der dänisch gesinnten Schleswig-Holsteiner, beschlossen hat. Zum Ausschluss der gesamten Gliederung, wie kurz darauf beim Kreisverein Flensburg Stadt, kommt es nicht. Hermann Clausens Bemühungen, eine Sozialdemokratische Partei Südschleswig zu gründen, bleiben erfolglos.
23. September - Alwin Klöß gibt aufgrund von Unstimmigkeiten das Bürgermeisteramt von Neuwittenbek auf und zieht sich weitgehend aus der Politik zurück.
25. September - In Kronshagen tritt der erste neu gewählte Gemeinderat zusammen. Die SPD hat die absolute Mehrheit.
27. September - Die neu gewählte Stadtvertretung, in der die SPD die absolute Mehrheit hat, wählt einstimmig den fast 70-jährigen Richard Köhn erneut zum ehrenamtlichen Bürgermeister.
13. Oktober - Die ersten demokratischen Kommunalwahlen seit 1933 finden statt. Im zweiten Teil werden die Kreistage und die Vertretungen der kreisfreien Städte gewählt.
30. Oktober - Der Kieler Konsum gründet sich als "Konsumgenossenschaft Kiel eGmbH" (KG) neu. Andere Konsumvereine folgen, allein in Schleswig-Holstein zehn von ihnen.
9. November - Die Kieler SPD erinnert durch eine Veranstaltung auf dem Parkfriedhof Eichhof an den zivilen Revolutionsgräbern wieder an die Novemberrevolution, die Revolutionsopfer und die Opfer des Faschismus.
Das Weißbuch der deutschen Opposition gegen die Hitlerdiktatur von Franz Osterroth erscheint in London, herausgegeben vom Exilvorstand der Partei. Es enthält eine erste Übersicht über die von den Nazis ermordeten Parteimitglieder.
In kleineren Vereinen als zuvor lebt der Arbeitersport in Kiel wieder auf, etwa als Freie Turnerschaft Adler v. 1893 oder Freie Turnerschaft Ellerbek v. 1905.
Der Kreisverein Steinburg wählt auf seinem ersten Kreisparteitag nach dem Ende der Nazi-Dikatur August Diebenkorn zum Vorsitzenden. Die Militärregierung versagt diesem jedoch aufgrund anderer Funktionen die Genehmigung.